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Gefährliche Szenen in den Strassen von Caracas: Ein Panzerwagen fährt in eine Menge Demonstranten.

KEYSTONE/AP/FERNANDO LLANO

(sda-ats)

Bei dramatischen Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten in der venezolanischen Hauptstadt Caracas ist am Mittwoch erneut ein junger Mann getötet worden. Im Stadtteil Chacao fuhr zudem ein Panzerwagen in eine Menschenmenge.

Wie der Bürgermeister von Chacao, Ramón Muchacho, mitteilte, wurde mindestens ein junger Mann überfahren und schwer verletzt. Er sei aber ausser Lebensgefahr. Im Stadtteil Las Mercedes soll derweil ein gegen die sozialistische Regierung protestierender 17-Jähriger getötet worden sein. "Ein Jugendlicher, der noch das ganze Leben vor sich hatte", sagte der Bürgermeister des Stadtteils, Gerardo Blyde.

In Caracas hatten sich erneut tausende Gegner von Staatschef Nicolás Maduro zu einem "Mega"-Protest versammelt, um gegen die von ihm angestrebte neue Verfassung zu demonstrieren. Als die Demonstranten in die Innenstadt ziehen wollten, wo Maduro gerade eine Rede vor tausenden Anhängern hielt, wurden sie von der Polizei gestoppt. Sie setzte Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein.

Demonstranten warfen Brandsätze und Steine und zündeten Barrikaden an. Bei den Zusammenstössen geriet mindestens ein Demonstrant in Brand. Insgesamt wurden offiziellen Angaben zufolge allein im Spital von Chacao 161 verletzte Demonstranten behandelt.

Parlaments-Vize verletzt

Auch der Vizepräsident des venezolanischen Parlaments wurde bei den Protesten von einer Tränengasbombe getroffen und leicht verletzt. Nach Angaben eines Abgeordneten kam Freddy Guevara mit einer Beinverletzung in eine Klinik. Kurz danach meldete sich Guevara per Twitter mit einer Botschaft an den sozialistischen Präsidenten Maduro: "Eine von seiner Diktatur verursachte Verletzung ist eine Ehrenmedaille."

Nach einem Bericht des Portals "El Nacional" hatte der 31-Jährige bewusst darum gebeten, an der Spitze des Demonstrationszuges zu marschieren. Guevara ist einer der Hoffnungsträger der Opposition.

Die Demonstranten werfen dem sozialistischen Präsident Maduro die Errichtung einer Diktatur vor und fordern Neuwahlen. Seit Anfang April starben über 30 Menschen, mehr als 1300 wurden festgenommen.

Venezuela ist trotz der grössten Ölreserven der Welt unter Maduro in die schlimmste Versorgungskrise seiner Geschichte geraten, der Präsident führt das auf den zeitweise stark gefallenen Ölpreis zurück. Schlangen vor oft leeren Supermärkten und Menschen, die im Müll nach Essbarem suchen, sind Alltag. Zudem hat die Gewalt zugenommen: 2016 wurden fast 28'500 Menschen in Venezuela ermordet.

SDA-ATS

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