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Papst bespricht mit Erdogan in Audienz den Status von Jerusalem

Wurde von Papst Franziskus (r) erstmals zu einer Audienz empfangen: der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (l).

Keystone/EPA/ALESSANDRO DI MEO / POOL

(sda-ats)

Ungewöhnlich viel Zeit hat Papst Franziskus dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan bei dessen historischer Visite im Vatikan eingeräumt. 50 Minuten dauerte die Audienz am Montag. Im Mittelpunkt stand der Status Jerusalems.

Erdogan und Franziskus hatten nach Spannungen in der Vergangenheit in der Jerusalem-Krise eine gemeinsame Linie gezeigt. Nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, dass die USA die für Christen, Muslime und Juden heilige Stadt Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen, telefonierten die beiden auf Initiative des türkischen Staatschefs.

Laut Anadolu wurde bei dem Treffen im Vatikan betont, dass der Status von Jerusalem nicht geändert werden dürfe. Zudem wolle man den USA weiterhin die Bedenken über ihre Entscheidung übermitteln.

Mehrere offene Fragen

Mit Spannung war erwartet worden, ob das katholische Kirchenoberhaupt die Menschenrechtslage in der Türkei ansprechen würde, die sich seit dem Putschversuch 2016 und dem in der Folge verhängten und mehrmals verlängerten Ausnahmezustand verschlechtert hat.

Es sei "über die Situation des Landes" gesprochen worden, teilte der Vatikan mit - nannte aber keine Details. Offen blieb auch, ob über das Vorgehen des türkischen Militärs mit verbündeten Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA) gegen die kurdische Miliz YPG, die die Türkei als Terrororganisation einstuft, in Nordwestsyrien gesprochen wurde.

Laut der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu sprachen Erdogan und Franziskus zudem über den Kampf gegen Fremdenhass und Islamophobie sowie die Lage in Syrien. Gemäss dem Vatikan ging es auch um die Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge in der Türkei und die damit verbundenen Herausforderungen.

Friedensengel für Erdogan

Franziskus überreichte - wie traditionell üblich - seinem Gast am Ende des Gesprächs ein kleines Kunstwerk. Das Bronze-Medaillon zeigt einen Engel, der die nördliche und südliche Welthalbkugel umfängt und dabei den Widerstand eines Drachen überwindet.

"Das ist der Friedensengel der mit den Dämonen des Krieges ringt", sagte Franziskus. "Es ist ein Symbol für eine auf Frieden und Gerechtigkeit gebaute Welt."

Erdogan bedankte sich auf Italienisch. Anwesende Journalisten bezeichneten die Atmosphäre zwischen den beiden als höflich. Erdogan wurde von einer Minister-Delegation und seiner Frau Emine begleitet. Seit 59 Jahren war kein türkischer Präsident mehr im Vatikan empfangen worden.

Ausschreitungen bei Mahnwache

Der Erdogan-Besuch wurde von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Anders als beim Besuch von US-Präsident Trump im Mai letzten Jahres war für Touristen zum Zeitpunkt der Audienz kein Durchkommen in Petersplatz-Nähe.

Die Angst vor Terror und gewalttätigen Demonstrationen war in der italienischen Hauptstadt gross. 3500 Sicherheitskräfte waren Medienberichten zufolge im Einsatz. Nach der Audienz kam es unweit des Petersdoms an der Engelsburg zu Ausschreitungen bei einer Mahnwache, zu der das kurdische Netzwerk "Rete Kurdistan" aufgerufen hatte. Die Polizei meldete zwei Festnahmen nach Handgreiflichkeiten.

Auf Transparenten wurde Freiheit für den inhaftierten PKK-Anführer Abdullah Öcalan gefordert. Laut Polizei hatten sich rund 150 Menschen an dem Protest beteiligt, der im Vorfeld genehmigt worden war, obwohl in grossen Teilen Roms am Montag ein Demonstrationsverbot galt.

Vor seinem Rückflug in die Türkei standen für Erdogan Treffen mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Paolo Gentiloni an.

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