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Plastikmüll in Gewässern ist auch ein Schweizer Problem. Forscher der ETH Lausanne haben in sechs untersuchten Schweizer Seen und an ihren Stränden Mikroplastik-Partikel gefunden.

Rund 60 Prozent des gefischten Mikroplastiks in den Proben entfiel auf Kunststofffragmente von Verpackungen - vorwiegend Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), wie das Bundesamt für Umwelt (BAFU), das die Untersuchung in Auftrag gab, mitteilte. 10 Prozent der Partikel bestanden aus expandiertem Polystyrol (EPS), das häufig in Isolationsmaterialien verwendet wird.

Weitere 10 Prozent sind Folien oder Fasern, die beim Waschen von Faserpelzen freigesetzt werden. Gemäss BAFU machte industriell hergestelltes Mikroplastik, wie beispielsweise die in Pflegeprodukten verwendeten PE-Kügelchen, "nur einen verschwindend kleinen Anteil des gesamten Mikroplastiks aus".

Mikroplastik weit verbreitet

Allerdings untersuchten die Forschenden nur das Vorkommen und die Art von Kunststoffpartikel mit einer Grösse zwischen 0,3 und 5 Millimetern. Kleinere Partikel, wie sie etwa in Zahnpasta und Kosmetikartikeln eingesetzt werden, schwammen somit durch die eingesetzten Netze durch. Auch Kläranlagen können diese mikrometerkleinen Partikel nicht vollständig herausfiltern, wie eine Studie des deutschen Alfred-Wegener-Instituts jüngst ergab.

In der Schweiz fanden die Forschenden in allen 27 Proben aus Genfersee, Bodensee, Neuenburgersee, Lago Maggiore, Zürichsee und Brienzersee sowie aus der Rhone bei Chancy GE Mikroplastik-Partikel. Frei von Makroplastik - Teilchen von über 5 Millimetern - waren lediglich sieben Proben.

Wetterabhängige Werte

"Die Werte einzelner Proben zwischen und innerhalb der Seen variierten stark, was auf Unterschiede in der Belastung der ufernahen beziehungsweise uferfernen Zonen hindeutet", hält das BAFU fest. Zudem spielt auch das Wetter eine Rolle: Die höchsten Konzentrationen wurden nach einem Gewitter gemessen.

Dies deute darauf hin, dass Mikroplastik von abfliessendem Niederschlagswasser mitgeschwemmt werde. Die Bevölkerungsdichte im Einzugsgebiet hingegen hatte keinen Einfluss auf das Ausmass der Belastung.

In den 33 Sandproben, die an den Stränden der untersuchten Seen entnommen wurden, fand sich überall Mikroplastik. Die Hälfte davon stammten aus der Kategorie Schaumstoffe. Nachgewiesen wurde auch Celluloseacetat, aus dem Zigarettenfilter hergestellt werden. Die Belastung betrug im Mittel rund 1000 Mikroplastik-Partikel pro Quadratmeter. Zwölf der 33 Proben waren frei von Makroplastik-Teilchen, wie Studie zu entnehmen ist.

13 kg Plastikmüll pro Tag in der Rhone bei Genf

Ausgehend von den Ergebnissen aus der Rhone schätzen die Forschenden, dass täglich mehr als 13 Kilo Plastikteilchen durch den Fluss nach Frankreich transportiert werden - ohne die zahlreichen bodennahen Partikel mitzurechnen, wie die Forscher schreiben.

"Gemessen am Gefährdungspotential ist Mikroplastik gegenwärtig kein vordringliches Problem für die Wasserqualität der Schweizer Gewässer - im Gegensatz zu Mikroverunreinigungen, beispielsweise durch Pestizide", schrieb das BAFU. Noch überwögen die organischen Partikel.

Es schätzt die Gefahr, dass Mikroplastik via Grund- oder Seewasser ins Trinkwasser gelangt, als gering ein. Mikroplastik werde durch Filtration bei der Trinkwasseraufbereitung aus dem Wasser entfernt. "Aus heutiger Sicht besteht daher kein gesundheitliches Risiko für den Menschen."

Weitere Studien nötig

Die Schadstoffmenge, die aus dem Mikroplastik in die Gewässer abgegeben werde, dürfte zudem relativ gering sein. Dennoch sei die Belastung der Gewässer mit Mikroplastik unerwünscht. Kunststoffe werden in den Gewässern nur sehr langsam abgebaut.

"Es sind Massnahmen an der Quelle nötig, um die Belastung der Umwelt mit Kunststoff zu verringern." Das BAFU will daher mehr erfahren - über die Quellen von Mikroplastik etwa aus Kläranlagen, Fliessgewässer, Regenwasserentlastungen und Strassenentwässerungen. Zudem soll die Umweltrelevanz von Kunststoffpartikeln, die kleiner sind als 0,3 Millimeter weiter untersucht werden.

Gemäss amerikanischen Forschern treiben mehr als fünf Billionen Plastikteile und -teilchen mit einem Gesamtgewicht von fast 269'000 Tonnen in den Weltmeeren. Die Folgen sind teils sichtbar - etwa bei Meeresschildkröten, deren Taille von einem engen Plastikring zugeschnürt ist, bei verhungernden Vögeln, deren Mägen mit Plastik gefüllt sind oder bei erstickten Pinguinen. Die Verschmutzung - etwa durch chemische Verunreinigungen - ist unsichtbar.

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SDA-ATS