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Zahlreiche Libyer sind am Donnerstag Einschüchterungsversuchen der Sicherheitskräfte zum Trotz auf die Strassen gegangen. Sie versammelten sich in mindestens vier Städten zu Demonstrationen und forderten unter anderem den Rücktritt von Präsident Muammar al-Gaddafi.

In der Hafenstadt Benghasi sei es zu "brutalen Zusammenstössen" zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften gekommen, berichteten Oppositionelle. Mindestens sechs Menschen seien getötet worden. Zahlreiche weitere wurden verletzt oder festgenommen.

Scharfschützen gegen Demonstranten?

Auch aus der nahegelegenen Stadt Al-Baidha wurden Tote gemeldet. Laut der in London ansässigen Nichtregierungsorganisation Libya Watch setzten Sicherheitskräfte dort gegen eine "friedliche Demonstration junger Menschen" auch scharfe Munition ein.

Dabei seien mindestens vier Menschen getötet worden. Andere Quellen berichteten von weit mehr Toten. Der in Schweiz lebende libysche Oppositionelle Fathi al Warfali sprach von mindestens 11 Toten seit Mittwochabend. Die Demonstranten seien von Scharfschützen erschossen worden, hiess es auf der regierungskritischen Internetseite Libya al Jum.

"Tag des Zorns"

Gemäss Internetseiten der Opposition fanden in vier Städten des Landes am Donnerstag, der zum "Tag des Zorns" ausgerufen worden war, Protestkundgebungen statt. Die Aufrufe zur Teilnahme an den Demonstrationen wurden wie in Tunesien und Ägypten per Facebook und Twitter verbreitet.

"Heute haben die Libyer die Mauer aus Angst durchbrochen. Es ist ein neuer Morgen", sagte Fais Dschibril, ein im Ausland lebender Oppositionspolitiker. Verlässliche Angaben zur Zahl der Demonstranten lagen nicht vor.

Gaddafi macht Zugeständnisse

Wie andere arabische Herrscher auch versucht Gaddafi, die Bevölkerung mit Zugeständnissen zu beruhigen. So verdoppelte er die Löhne der Staatsbediensteten.

Gleichzeitig mobilisierte das Regime seine eigene Klientel: In der Hauptstadt Tripolis und anderen Städten versammelten sich Hunderte Anhänger des seit 1969 regierenden Staatschefs.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur JANA meldete, wollten sie die "ewige Einigkeit mit dem Führer der Revolution" zeigen. Sie hielten Bilder von Gaddafi in die Höhe und riefen: "Die Revolution (von 1969) geht weiter."

Augenzeugen berichteten, in Tripolis hätten Regierungsanhänger libysche Flaggen an ihren Autos befestigt. Ansonsten gehe das Leben aber seinen normalen Gang.

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SDA-ATS