Die Besitzer des wegen der Opiate-Krise in die Kritik geratenen US-Pharmakonzerns Purdue sollen Schweizer Bankkonten benutzt haben, um Millionen-Überweisungen vom Unternehmen in die eigene Tasche zu verschleiern. Dies behauptet die New Yorker Generalstaatsanwältin.

Staatsanwältin Letitia James teilte am Freitag mit, die Familie Sackler habe rund eine Milliarde Dollar in die Schweiz überwiesen. Der Transfer sei im Rahmen von Ermittlungen gegen Purdue und Mitglieder der Familie Sackler aufgeflogen. Um welche Schweizer Bank es sich handelt, war nicht bekannt.

Mehrere US-Bundesstaaten behaupten, dass die Sacklers seit 2007 mehr als vier Milliarden Dollar von Purdue abgezogen und einen Grossteil davon offshore verlagert haben, um zukünftige Ansprüche bei der Wiedergutmachung in der Opiate-Krise zu vermeiden.

Die New Yorker Generalstaatsanwältin hatte im August rund 30 Finanzinstitute, die Geschäfte mit der Familie machten, um Informationen gebeten, um das Vermögen der Eigentümerfamilie zu ermitteln. Die Dokumente zeigten "Geldtransfers in Höhe von rund einer Milliarde Dollar zwischen den Sacklers, den von ihnen kontrollierten Betrieben und verschiedenen Finanzinstitutionen, von denen einige Gelder auf Schweizer Konten transferiert haben", erklärte Staatsanwältin James.

Sackler: Überweisungen "angemessen"

Die Überweisungen schliessen den Unterlagen zufolge unter anderem Millionen-Gelder ein, die von einer Purdue-Muttergesellschaft zum ehemaligen Verwaltungsratsmitglied Mortimer D.A. Sackler verschoben wurden. Der Sohn des Firmengründers habe dann erhebliche Beträge an Briefkastenfirmen weitergeleitet, die Familienhäuser etwa in Manhattan besitzen. Ein Sprecher von Mortimer D.A. Sackler erklärte, die Überweisungen seien "absolut legal und in jeder Hinsicht angemessen".

Das US-Magazin "Forbes" schätzt das Vermögen der Familie Sackler auf rund 13 Milliarden Dollar. Die Familie weist diese Zahl zurück. Mehrere US-Bundesstaaten, darunter New York, Massachusetts, Connecticut, Pennsylvania und North Carolina, verweisen darauf, dass das Vermögen noch höher ist und auf mehreren Auslandskonten liegt.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft verlangt nun vom Gericht Vorladungen von Firmen, Banken und Beratern des Unternehmens sowie der Besitzerfamilie Sackler. Die Strafverfolger erklärten, der einzige Weg, das volle Ausmass der Überweisungen zu bestimmen, bestehe darin, wenn alle Beteiligten gezwungen würden, Dokumente zu ihrer Beziehung zur Sackler-Familie vorzulegen.

Umstrittener Vergleich auf dem Tisch

Die Gerichtseingabe folgte auf eine Entscheidung mehrerer US-Bundesstaaten, einen bis zu zwölf Milliarden schweren Vergleich zwischen Purdue sowie 20 Bundesstaaten und tausenden Gemeinden abzulehnen. Diesen will das Unternehmen abschliessen, um einen im Oktober drohenden Schadenersatzprozess vor einem Bundesgericht in Cleveland/Ohio abzuwenden. Zwei bis drei Milliarden Dollar für den Vergleich sollen von der Eigentümerfamilie übernommen werden.

Die Gegner des Deals halten das Angebot für eine Wiedergutmachung für nicht gut genug in Anbetracht der mutmasslichen Rolle, die das Unternehmen und die Familie in der Opiod-Krise mit verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln gespielt haben. Als Teil des Vergleichs will Purdue Insidern zufolge Gläubigerschutz beantragen.

"Das Ausmass an Schmerz, Tod und Zerstörung, das Purdue und die Sacklers verursacht haben, übersteigt alles, was uns bislang angeboten worden ist", sagte William Tong, Staatsanwalt von Connecticut. Der Bundesstaat, in dem die Firmenzentrale von Purdue Pharma liegt, lehnt den angebotenen Vergleich ab.

Fast 400'000 Tote

Der Sprecher von Mortimer D.A. Sackler nannte die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft einen Versuch, "eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung zu torpedieren, die von so vielen anderen Staaten unterstützt wird und dazu führen würde, dass Milliarden von Dollar an Gemeinschaften und Einzelpersonen im ganzen Land gehen würden, die Hilfe benötigen".

Purdue sieht sich mit mehr als 2000 Klagen von Städten, Bezirken und Staaten konfrontiert, die dem Unternehmen vorwerfen, die Opiod-Krise in den USA befeuert zu haben. Der Oxycontin-Hersteller und andere Firmen sollen in aggressiven Marketingkampagnen die Risiken süchtigmachender Schmerzmittel bei längerem Gebrauch verharmlost haben.

Purdue und die vermögende Eigentümerfamilie Sackler weisen die Vorwürfe zurück. In den USA sind nach Behördenangaben zwischen 1999 und 2017 fast 400'000 Menschen an den Folgen von Opioid-Missbrauch gestorben.

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