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Mit Zivilschützern hat die Baselbieter Jagd- und Fischereiverwaltung den Homburgerbach bei Sissach abgefischt, dem in der Sommerhitze ohne Regen das Wasser ausgeht. Gut 400 Forellen wurden eingesammelt und in die Ergolz verlegt.

Holger Stockhaus, Jagd- und Fischereiverwalter BL

(sda-ats)

Nach Monaten ohne nennenswerte Niederschläge sind manche Bäche im Kanton Baselland am Austrocknen. Als erster ist nun der Homburgerbach bei Sissach abgefischt worden; weitere könnten folgen. Die Nordwestschweiz ist heuer am trockensten.

Seit Jahresbeginn 2017 hat es im Raum Basel kaum geregnet. Im Juni mass MeteoSchweiz in der Stadt 32 Millimeter Niederschlag; das ist nur gut ein Drittel des Monatsdurchschnitts seit 1981. Schon im Juni hatten die Behörden beider Basel vor Waldbrandgefahr gewarnt und vor Wochenfrist auch ein Wasserentnahmeverbot für alle Fliessgewässer ins Auge gefasst.

Der Homburgerbach ist im untersten Abschnitt komplett ausgetrocknet; was oben noch fliesst, versickert im trockenen Kiesgrund. Dasselbe war schon 2015 und 2011 der Fall. Aus den letzten Pfützen hat nun der Baselbieter Fischereiaufseher Daniel Zopfi mit einer handvoll Zivilschützern überlebende Fische elektrisch abgefischt und in belüfteten Bottichen per Auto in die nahe Ergolz gezügelt.

Tierschutz-Dilemma

Insgesamt kamen gegen 450 Bachforellen und diverse Groppen zusammen, wie Zopfi am Donnerstag sagte. Die grösste Forelle mass fast 50 Zentimeter. Eigentlich wäre sie damit für den Homburgerbach ein ideales Elterntier für die Naturverlaichung, da sie offensichtlich bestens mit den lokalen Verhältnissen zurechtkam. Doch der Zwangsumzug sei besser als der Tod, wenn das Wasser ausgeht.

Je tiefer der Pegel in einem Fliessgewässer, desto weniger Nahrung wird an den Fischen vorbeigespült und desto mehr steigen die Wassertemperaturen. Forellen ist es zwischen vier und 19 Grad wohl; ab etwa 23 Grad wird es tödlich. Zudem haben Fressfeinde wie etwa Reiher in Restwasserpfützen leichteres Spiel.

Beim Abfischen mit einem ratternden Benzingenerator auf dem Rücken schleppt man zwei Elektroden mit, deren Spannung im Wasser die Fische betäubt. Die Leute sind laut Zopfi dafür ausgebildet, und der relativ schwache Strom sollte den Fischen nicht schaden.

Verlegt wurden die Homburgerbach-Fische zwei, drei Kilometer nordwestlich in die Ergolz. Dort sorgt unterhalb von Sissach die Abwassereinigungsanlage für ein stabiles Minimalvolumen auch zu Hitzezeiten. Auch in anderen Baselbieter Bächen ist der Wassermangel kritisch; nächste Abfisch-Kandidaten bei ausbleibendem Regen sind der Eibach bei Gelterkinden und der untere Diegterbach bei Sissach.

Aargau fischt nicht ab

Auch die Nachbarschaft spürt teils den Niederschlagsmangel. So hatte der Kanton Jura bereits im Juni am Doubs das Bootfahren und Fischen verboten, um die wegen tiefen Pegel und hohen Temperaturen gestressten Fische zu schonen. Im Elsass haben die Behörden die Bevölkerung kürzlich gebeten, mit Wasser sparsam umzugehen.

Im Kanton Aargau sind derzeit ebenfalls schon einzelne Bäche ausgetrocknet. Dort verzichten die Behörden indes grundsätzlich auf Notabfischungen, um Fische in potenziellen Zielgewässern nicht zu stressen. Auch im Kanton Zürich sind viele Pegel sehr tief, aber nicht dramatisch. Einzelne Bachstrecken wurden abgefischt.

Ebenso ist im Kanton Bern die Lage laut Fischereinspektorat "prekär, aber nicht dramatisch"; einzelne trockene Bäche wurden abgefischt. Meist seien das Entlebuch und das Napfgebiet am stärksten betroffen - mit Kalk- und Nagelfluh-Untergrund wie in der Nordwestschweiz. In den Alpen sorge schmelzender Schnee bei Hitze für genug Bachwasser.

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SDA-ATS