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Sehr verheissungsvoll präsentiert sich die Ausgangslage vor dem Wimbledon-Turnier. Der siebenfache Champion Roger Federer wird als Topfavorit gehandelt, Stan Wawrinka gilt diesmal als Aussenseiter.

Vor knapp einem Jahr schockte Roger Federer die Tennis-Welt. Zweieinhalb Wochen nach seiner Halbfinal-Niederlage gegen Milos Raonic in Wimbledon gab der Baselbieter aufgrund von Knieproblemen sein vorzeitiges Saisonende bekannt. Fans und Experten stellten sich die bange Frage: Wird der erfolgreichste Tennisspieler der Geschichte noch einmal zurückkommen und sein besten Niveau wieder erreichen?

Elf Monate später erlebt Federer (ATP 5) seinen x-ten Frühling und tritt so dominant auf wie seit Jahren nicht mehr. 24:2 Siege lautet seine Matchbilanz auf der Tour seit seiner halbjährigen Auszeit. Sein fulminantes Comeback am Australian Open krönte er mit dem 18. Major-Titel, in Indian Wells, Miami und Halle liess er drei weitere Turniersiege folgen, weshalb er von den Buchmachern als der grosse Favorit auf den Wimbledon-Titel gehandelt wird.

Im Vorfeld des Turniers im All England Lawn Tennis and Croquet Club deutet vieles darauf hin, dass Federers Timing im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt stimmt. Am vergangenen Sonntag gewann er in Halle seinen neunten Titel in Ostwestfalen. Die Art und Weise wie Federer im Final gegen Alexander Zverev, den Aufsteiger der letzten Monate, auftrat, erinnerte erneut an die besten Tage des 18-fachen Grand-Slam-Champions.

Einige Konkurrenten nicht in Form

Federer weiss um seine gute Vorbereitung - nach seinem Verzicht auf die Sandsaison die längste seiner Karriere im Hinblick auf Wimbledon. Er weiss um seine Formstärke, seine körperliche und mentale Frische, sein Selbstvertrauen. Und er weiss auch, dass einige seiner stärksten Konkurrenten nicht in absoluter Top-Verfassung in den Südwesten Londons gereist sind.

Titelverteidiger Andy Murray, neben Federer der zweite Favorit auf den Titel, verlor in Queen's sein Debüt in diesem Jahr auf Rasen und musste seine beiden geplanten Exhibition-Partien wegen Hüftbeschwerden absagen. Novak Djokovic, der Federer 2014 und 2015 in Wimbledon vor der Sonne gestanden hatte, hat seine Sinn- und Schaffenskrise noch nicht überwunden. In Wimbledon wird der Serbe wieder auf die Unterstützung von Andre Agassi zählen können.

Nadal ohne Vorbereitung auf Rasen

Rafael Nadal, der Dominator der Sandsaison und klare Leader im ATP-Race, hat sich nach dem Gewinn der "Decima" in Paris rar gemacht und kein Vorbereitungsturnier auf Rasen bestritten. Seit 2011 und seiner letzten von fünf Final-Teilnahmen in Wimbledon erreichte der zweimalige Sieger, der erst im Final auf Federer treffen könnte, nie mehr die Viertelfinals. Im letzten Jahr fehlte Nadal wegen einer Handgelenkverletzung. Stan Wawrinka verlor in Queen's wie Murray und Milos Raonic in der Startrunde - und auch die jungen Wilden um Dominic Thiem, Alexander Zverev und Nick Kyrgios hatten in den letzten Wochen mit Hochs und Tiefs zu kämpfen.

"Im Hinterkopf ist sehr präsent, dass ich in diesem Jahr gute Chancen habe, in Wimbledon zu gewinnen", hatte Federer bereits vor Beginn der Rasen-Saison gesagt. Zwar zog er bei seinem ersten Auftritt in Stuttgart gegen Tommy Haas den Kürzeren, in Halle spielte er sich aber in Form und gab auf dem Weg zu seinem 92. Turniersieg keinen Satz ab. Eine Erfolgsgarantie für Wimbledon hat er deswegen nicht. "Es beginnt alles wieder bei Null", so Federer, der mit seinem achten Titel, dem ersten seit 2012, zum alleinigen Rekordsieger in Wimbledon avancieren würde.

Wawrinka greift nach dem Karriere-Grand-Slam

Für einmal nur als Aussenseiter startet Stan Wawrinka (ATP 3) in ein Grand-Slam-Turnier. Rasen ist der einzige Belag, auf dem der 32-Jährige aus Saint-Barthélemy noch keinen Turniersieg feiern konnte; und Wimbledon der einzige Major-Titel, der ihm in seinem Palmarès fehlt. An der Church Road kam er in zwölf Anläufen nie über die Viertelfinals hinaus, im letzten Jahr unterlag er in der 2. Runde Juan Martin Del Potro. Und nach dem frühen Ausscheiden in Queen's gegen Feliciano Lopez tritt Wawrinka, der temporär auch auf die Unterstützung von Paul Annacone zählt, praktisch ohne Spielpraxis auf Rasen in Wimbledon an.

Wawrinka deswegen abzuschreiben, wäre allerdings falsch. Der Romand, nur die Nummer 5 der Setzliste, war in den letzten Jahren neben Novak Djokovic der konstanteste Spieler an Grand-Slam-Turnieren und bewies auch schon in Wimbledon, dass er zu vielem fähig ist. 2014 dominierte er im Viertelfinal Federer zwei Sätze lang, 2015 unterlag er in der Runde der letzten acht Richard Gasquet mit 9:11 im fünften Satz.

Ein Triumph am prestigeträchtigsten Turnier der Welt wäre die Krönung der aussergewöhnlichen Karriere Wawrinkas, der erst mit knapp 29 zum Major-Sieger wurde. Er würde in einen exklusiven Kreis vorstossen und wäre erst der neunte Spieler - nach Federer, Nadal, Djokovic und Agassi der fünfte der Open Era -, der alle vier Major-Turniere gewonnen hätte. Etwas, dass Spielern wie Björn Borg, Ivan Lendl, John McEnroe, Jimmy Connors, Boris Becker, Mats Wilander, Stefan Edberg oder Pete Sampras verwehrt blieb.

Premiere für Laaksonen

Zu seiner Grand-Slam-Premiere kommt Henri Laaksonen (ATP 101). Der 25-jährige Schaffhauser mit finnischen Wurzeln, der vor dem erstmaligen Einzug in die Top 100 steht, schaffte den direkten Sprung ins Hauptfeld, nachdem er zuvor elfmal in der Qualifikation eines Major-Turniers gescheitert war.

SDA-ATS