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Das IOC hat dem Vernehmen nach zahlreiche russische Stars wie Viktor Ahn, Anton Schipulin oder Sergej Ustjugow von den Winterspielen in Südkorea ausgeschlossen. In Moskau ist die Entrüstung gross.

Ohne ein erwiesenes Dopingvergehen wurden im Zuge der Einzelfallprüfung russische Wintersport-Stars wie Biathlet Anton Schipulin, Shorttracker Viktor Ahn oder Langläufer Sergej Ustjugow offenbar nicht für die am 9. Februar in Pyeongchang beginnenden Spiele eingeladen. Russland protestierte umgehend und forderte eine Erklärung, die das IOC aber vorderhand verweigerte.

Hintergrund der brisanten Causa ist der Entscheid vom Dezember, wonach das Nationale Olympische Komitee Russlands im Zuge des mutmasslich staatlich orchestrierten Sotschi-Dopingskandals für die Winterspiele gesperrt wurde. Nur nachweislich saubere russische Athleten dürfen unter neutraler Flagge und ohne Hymne in Südkorea starten. Die unabhängige Prüfungskommission ITA arbeitet an einer Liste. Danach wurden von einer ursprünglich 500 Athletinnen und Athleten bereits 111 gestrichen.

In der russischen Sportpolitik lösten die Nichtberücksichtigungen Unruhe aus. "Wir bedauern sehr, wenn tatsächlich so entschieden worden sein sollte", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow. Die Frage müsse rasch mit dem IOC geklärt werden. Überlegungen zu einem Boykott der Spiele wies der Vizepräsident des russischen Nationalen Olympischen Komitees (ROC), Stanislaw Posdjnakow, aber zurück. "Zu einem Boykott wird es nicht kommen", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Doch das Fehlen der Stars ist ein schwerer Schlag für Russland. Schipulin, Staffelsieger bei den Winterspielen in Sotschi 2014, ist Captain der russischen Biathleten und gilt als Doping-Kritiker. Ustjugow, Weltmeister von Lahti 2017, gilt als Mitfavorit in der Langlaufspur. Der eingebürgerte Ahn ist mit sechs Olympiasiegen eine Shorttrack-Legende. Diese drei seien nie in Doping verwickelt gewesen: "Die vielen Proben, die sie im Lauf ihrer Karriere abgegeben haben, belegen, dass sie saubere Athleten sind", sagte Posdjnakow. Dazu fehlen weitere Top-Stars wie Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa und der Dritte der Eistanz-EM, Iwan Bukin.

Das IOC wollte sich nicht zu einzelnen Fällen äussern, "um die Rechte der Beteiligten zu schützen". Die Liste solle gewährleisten, dass nur zweifelsfrei saubere Sportler eine Einladung erhalten, sagte die Leiterin der Testkommission, die französische Ex-Sportministerin Valérie Fourneyron. Das IOC stellte klar, dass es noch weitere Untersuchungen und Anti-Doping-Verfahren gegen eine Reihe von Athleten geben könnte. Erst im Dezember vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA brisante Doping-Testdaten aus dem Moskauer Kontrolllabor aus den Jahren 2012 bis 2015 erhalten habe.

Die verdächtigen russischen Sportler fallen in zwei Kategorien. Bei einigen sieht das IOC die verbotene Leistungssteigerung als erwiesen an. Diesbezüglich wurden bereits 42 lebenslange Olympia-Sperren verhängt, die Fälle werden aktuell vor dem Internationalen Sportgerichtshof verhandelt. Bei anderen ist Doping nicht nachgewiesen; es gibt aber Hinweise, dass die Proben manipuliert worden sind. Dies könnte auch bei Ahn und Schipulin der Fall sein, berichtete die französische Zeitung "Le Monde" unter Berufung auf Ermittler.

Endgültig will das IOC am Samstag über die Einladungen entscheiden. "Ein Olympia-Ausschluss von Viktor Ahn ist meiner Meinung nach die Spitze der Ungerechtigkeit, die in den vergangenen drei Monaten an den russischen Sportlern begangen worden ist", sagte der Präsident des russischen Eisschnelllaufverbandes, Alexej Krawzow.

Der gebürtige Koreaner hatte 2006 in Turin dreimal Gold und einmal Bronze für Südkorea gewonnen, in Sotschi war ihm exakt dieselbe Ausbeute für Russland gelungen. Er rangiert damit an fünfter Stelle der erfolgreichsten Winter-Olympioniken. "Der russische Koreaner darf nicht nach Korea", schrieb die Zeitung "Sport-Express".

Die Lücken auf der Liste treffen die Sportarten unterschiedlich. Beim Biathlon wurden nur die Nachwuchssportler Anton Babikow, Uljana Kaischewa und Tatjana Akimowa eingeladen - zu wenig, um eine Staffel zu laufen. Die Ausladung von Stolbowa trifft auch ihren Partner Fjodor Klimow, ohne Eistänzer Iwan Bukin kann seine Partnerin Alexandra Stepanowa kaum antreten.

Aus dem Bobteam werden Anschieber Roman Koschelew und seine Kollegin Julia Schokuschewa fehlen, wie der russische Fachverband mitteilte. Die junge Schlittlerin Wiktoria Demtschenko ist nicht eingeladen. Beim Eishockey fehlen fünf Spieler. Bei Ski alpin und Snowboard wurden die russischen Nominierungen vom IOC dagegen akzeptiert.

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SDA-ATS