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Mit Vladmir Tatlin zeigt das Basler Tinguely-Museum ab Mittwoch eine Leitfigur der Russischen Avantgarde. Gut hundert Gemälde und Objekte zumeist aus Moskauer und St. Petersburger Museen dokumentieren Tatlins Wirken als Kunst-Erneuerer des frühen 20. Jahrhunderts.

Tatlin (1885-1953) verdiente seinen Lebensunterhalt in jungen Jahren als Seefahrer. Als Künstler begann er mit Malerei und Zeichnungen, zunächst Ikonen und Volkskunst, bevor er sich der Avantgarde zuwandte. Revolutionär war 1914 sein Schritt aus der Fläche in den Raum, mit Reliefs und Über-Eck-Objekten.

Von diesen radikalen Werken ist wenig erhalten geblieben - 1917 fegte die politische Revolution durch Tatlins Heimat. Im Tinguely-Museum in Basel sind dennoch einige rare Originale sowie diverse Rekonstruktionen aufgrund von Fotos zu sehen. Spannende Schwebezustände inszenieren die Schwerkraft und das Spiel damit.

Die "Konterreliefs", Wand-Plastiken aus verschiedenen Materialien wie Holz, Metall und Seilen, waren ein Bruch mit allen Formen des bürgerlichen Kunstbetriebs. Noch weiter gehen sollte ein 400 Meter hohes Denkmal für die "III. Internationale", doch Bürgerkrieg und technische Hürden verhinderten die Realisierung dieses Entwurfs.

Neue sozialistische Ordnung

Mit jenem monumentalen Objekt mit rotierenden Innenkörpern hätte Tatlin eine neue sozialistische Ordnung darstellen wollen - eine revolutionäre Weltmaschine. Der vieldiskutierte Entwurf inspirierte diverse Intellektuelle. Das zerstörte Modell des Turms wurde in den 60er-Jahren mehrfach rekonstruiert; zwei zeigt das Tinguely-Museum.

Nach dem Turm-Projekt beschäftigte sich Tatlin in den 1920er-Jahren mit der Loslösung vom Boden und Kunst in Bewegung: Seine utopische Flugplastik "Letatlin" erinnert mit ihrer Leichtbau-Konstruktion mit bespanntem Holzrahmen an Aviatik-Pioniere und Fledermäuse. Ihr handbetriebener Flügelschlag hat indes nie zum Abheben gereicht.

In Bewegung gerieten Tatlins Ideen dennoch, dank seiner Leidenschaft für's Theater. Seine Transformationen etwa von Klangfarben in Farbklänge führten unter anderem zu einer spektakulären synästhetischen Gedicht-Inszenierung. Die Ausstellung in Basel ist bis am 14. Oktober geöffnet.

SDA-ATS