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Schlechtes Wetter und die stärkeren Kontrollen tunesischer Behörden an den Küsten haben die Flüchtlingswelle in Richtung Süditalien vorerst gestoppt. Den dritten Tag in Folge wurden auf der Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien keine Landungen von Flüchtlingen gemeldet.

Sorge besteht jedoch wegen Gerüchten über ein Boot mit 500 Migranten an Bord: Dieses soll Tunesien am Dienstag verlassen haben, traf aber nie auf Lampedusa ein. Eine Suchaktion der Küstenwache verlief bislang ergebnislos, wie italienische Medien am Donnerstag berichteten.

Hungerstreik angekündigt

Rund 1800 Migranten befinden sich derzeit auf Lampedusa. Sie wurden im Auffanglager der Insel untergebracht, das jedoch nur für 850 Menschen gebaut wurde.

Gemäss Medienberichten wollen hunderte Flüchtlinge mit einem Hungerstreik auf ihre Lage aufmerksam machen. So klagen viele, sie erhielten zu wenig zu essen.

In ihrer Not drangen sechs Flüchtlinge in die unbewohnte Villa des italienischen Popsängers Claudio Baglioni ein und übernachteten dort. Es wurden gemäss den Behörden keine Schäden angerichtet. Die Eindringlinge verbrauchten nur die Lebensmittel in der Küche des Popstars.

Angst geht um

Die Flüchtlinge fürchten auch, dass sie wie vor dem Sturz des tunesischen Diktators Ben Ali Mitte Januar umgehend in ihre Heimat zurückgeschickt werden.

Die 5300 Bewohner Lampedusas sind wiederum wegen der Zahl der Flüchtlinge besorgt. Bürgermeister Bernardino De Rubeis warnte, die Insel werde zusammenbrechen, sollten weitere Menschen eintreffen.

Trotz De Rubeis' Appell, Lampedusa so schnell wie möglich zu entlasten, sollten auch am Donnerstag nur einige wenige minderjährige Flüchtlinge per Fähre weggebracht werden.

Frontex wird aktiv

Wegen des Flüchtlingsansturms wird nun auch die EU-Grenzschutzagentur aktiv. Frontex habe an die Mitgliedsstaaten, darunter die Schweiz, eine Anfrage geschickt. Dies sagte die Sprecherin der Eidg. Zollverwaltung, Stefanie Widmer, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Ob die Schweiz der Frontex mit Fachleuten aushilft, ist noch nicht entschieden. "Das Grenzwachkorps steht einem Einsatz sehr positiv gegenüber", sagte Widmer. Jedoch müsse zunächst abgeklärt werden, ob und wer allenfalls zum Einsatz kommen könnte.

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SDA-ATS