Die Schweizer Schüler haben in der Pisa-Studie unterschiedlich abgeschnitten. Während sie in Mathematik nach wie vor Spitze sind, lagen sie in Naturwissenschaft über und beim Lesen im OECD-Durchschnittsbereich. Der Lehrerverband sieht Handlungsbedarf.

Im Lesen erreichten die Schweizer Schülerinnen und Schüler 484 Punkte, drei Punkte weniger als der exakte Durchschnittswert der Länder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wie aus den am Dienstag veröffentlichten Zahlen zur neusten Pisa-Studie hervorgeht. Dieser Wert unterschiedet sich jedoch nicht signifikant vom OECD-Durchschnitt und liegt im Mittelfeld.

Kanada, Finnland, Deutschland, Belgien und Frankreich hätten aber statistisch signifikant besser abgeschnitten als die Schweiz. Die Leseleistungen in Österreich und Italien hätten sich nicht signifikant unterschieden. Einzig in Luxemburg hätten die Jugendlichen im Durchschnitt ein tieferes Ergebnis als in der Schweiz erzielt.

Dass in der Schweiz zwischen Pisa 2015 und Pisa 2018 die Lesekompetenz um acht Punkte gesunken sei, sei statistisch nicht signifikant und deute daher auf formeller Ebene nicht auf eine Verschlechterung der Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in diesem Bereich hin, schreibt das wissenschaftliche PISA-Konsortium in seinem Bericht zur Pisa-Studie.

International weiter abgerutscht

Die Schweiz sei aber in Bezug auf ihre Position im internationalen Vergleich erneut abgerutscht. Und es sei eine Zunahme des Anteils an Schweizer Schülerinnen und Schülern festzustellen, die im Lesen nicht kompetent genug seien, um Herausforderungen im Alltag oder Berufsleben bewältigen zu können.

Bei den Kenntnissen in Naturwissenschaften erreichte die Schweiz 495 Punkte gegenüber dem OECD-Durchschnitt von 489 Punkten. Von den ausgewählten Vergleichsländern hätten Deutschland, Belgien, Frankreich und Österreich analoge Mittelwerte wie die Schweiz erzielt, in Finnland und Kanada seien die Leistungen besser gewesen. Schlechter abgeschnitten hätten Luxemburg und Italien.

In Mathematik dagegen liegen die Schweizer Schülerinnen und Schüler nach wie vor weit oben in der Rangliste und erreichten gute bis sehr gute Resultate. Sie wiesen 515 Punkte auf, der OECD-Durchschnitt lag bei 489 Punkten. Vor der Schweiz rangierten insbesondere die asiatischen Länder sowie Estland.

Lehrer: Gutes Zeugnis für die Schweiz

Die Ergebnisse stellten dem öffentlichen Schulsystem der Schweiz wieder ein gutes Zeugnis aus, schreibt der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer (LCH) in einer Stellungnahme vom Dienstag. Der LCH sieht aber auch noch Entwicklungspotenzial.

Neben der Unterstützung von lernschwachen Schülerinnen und Schülern sollte auch die Förderung von lernstarken noch weiter verstärkt werden. Begabungs- und Begabtenförderung unterstütze den Aufbau von Kompetenzen. Förderangebote sollten flächendeckend und auf allen Bildungsstufen verfügbar sein.

Sorgen im Zeitalter von "Fake News"

Bedenkliches hat laut LCH der Fachbereich Lesen zutage gefördert. Im OECD-Durchschnitt habe nur einer von zehn Jugendlichen zwischen Fakt und Meinung unterscheiden können. Dies sei im Zeitalter von "Fake News" beunruhigend und streiche die Bedeutung der Vermittlung von Medienkompetenzen in der Schule hervor.

Die Pisa-Ergebnisse deuten laut dem LCH auch auf einen dringenden Handlungsbedarf im Bereich der Sprachförderung von sozioökonomisch benachteiligten, fremdsprachigen Kindern an. Fachlehrpersonen für "Deutsch als Zweitsprache" brauchten ausreichend Lektionen, um fremdsprachige Schülerinnen und Schüler unterstützen zu können.

Laut der Pisa-Studie hat in der Schweiz die Zahl der Schulkinder ausländischer Herkunft zwischen 2009 und 2018 stark zugenommen. 2018 hatten in der Schweiz 34 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Immigrationshintergrund. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden die Lese-Resultate um fünf Punkte aufgebessert.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist laut dem Lehrerverband die Frühförderung, die für die sprachliche Entwicklung von Kindern eine zentrale Rolle spiele. Die Schweiz habe diesbezüglich einen deutlichen Rückstand.

Schliesslich weist der LCH darauf hin, dass in vielen Kantonen radikale Abbaumassnahmen den lange erarbeiteten, nachhaltigen Erfolg des Schweizer Bildungswesens bedrohten. Grössere Klassen führten zu schlechteren Beziehungen, ungesunden Raumverhältnissen und eingeschränkter individueller Förderung.

Mit der Pisa-Studie werden seit dem Jahr 2000 die Kompetenzen der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler getestet. Rund 600'000 Schülerinnen und Schüler aus 79 Ländern haben am Test 2018 teilgenommen.

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