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Im Norden Malis ist am Sonntag eine Schweizerin von Unbekannten aus ihrem Haus verschleppt worden. Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte am Montag die Entführung in der Oasenstadt Timbuktu.

Das Departement stehe mit der Familie der Frau in Kontakt, hiess es in einer Mitteilung. Das Krisenmanagement-Zentrum (KMZ) des EDA habe seine Arbeit aufgenommen.

Zudem stünden das Koordinationsbüro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Bamako und die für Mali zuständige Schweizer Botschaft in Dakar in Kontakt mit den lokalen Behörden, welche für die Lösung dieses Entführungsfalls zuständig seien.

Nach Aussagen eines Beamten der Stadtregierung war die Frau am Sonntagnachmittag von bewaffneten Männern mit Turban entführt worden. Ein Bewohner der Stadt sagte, er habe sechs bewaffnete Männer gesehen, die die Schweizerin mitgenommen hätten.

Ein Nachbar der Schweizerin im Abaradjou-Quartier bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die Berichte. "Sie war bekannt in der Stadt", sagte ein weiterer Bewohner von Timbuktu. Sie sei in der Stadt herumgegangen und habe versucht, Leute zum Christentum zu konvertieren.

Nach übereinstimmenden Aussagen ist die rund 40-jährige Frau eine sozial engagierte Missionarin, die seit Jahren in Timbuktu lebt und mehrere lokale Sprachen spricht.

EDA rät von Reisen ab

Tuareg-Rebellen haben vor rund einer Woche die Unabhängigkeit für den Norden Malis ausgerufen. Die Macht wird allerdings de facto zu grossen Teilen von der islamistischen Bewegung Ansar Dine ausgeübt. Diese kontrolliert nach Berichten aus der Region alle wichtigen Städte, darunter auch Timbuktu.

Wegen der hohen Entführungsgefahr rät das EDA in seinen Reisehinweisen seit Dezember 2009 von Reisen nach Mali ab. Ende März hatten Militärs in Bamako Präsident Amadou Toumani Touré von der Macht geputscht. Den Machtkampf in der Hauptstadt nutzten Tuareg-Rebellen und Islamisten, um den Norden zu überrennen.

Die Putschisten haben inzwischen den bisherigen Parlamentspräsidenten Dioncounda Traoré zum Interimspräsidenten ernannt. Er wurde Mitte April vereidigt und soll unter anderem Neuwahlen organisieren. Aufgrund der unsicheren Lage empfahl das EDA Ende März allen Schweizern in Mali, das Land vorübergehend zu verlassen.

SDA-ATS