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Die Schweizerschule in Mailand streicht auf Ersuchen des Bundes einen Passus aus ihrem Reglement, der Kindern mit bestimmten Beeinträchtigungen vom Besuch der Schweizerschule abgeraten hat. (Symbolbild)

Keystone/AP/MANU FERNANDEZ

(sda-ats)

Ein Abschnitt im neuen Reglement der Schweizerschule Mailand hat am Wochenende Kritik ausgelöst, weil Kindern mit bestimmten Lernschwierigkeiten vom Besuch der Schule abgeraten wurde. Auf Ersuchen des Bundesamtes für Kultur streicht die Schule den Passus nun.

Die Schweizerschule als anspruchsvolle, mehrsprachige Institution sei "nicht optimal" für Kinder mit Lernschwierigkeiten wie Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS, Asperger-Syndrom, Autismus oder Verhaltensstörungen. Das steht im Reglement auf der Webseite der Schule. Der Schulrat hat es im vergangenen Mai verabschiedet.

Aufnahmen trotz Lernschwierigkeiten

Schulpräsident Luca Corabi De Marchi äusserte sich am Sonntagabend in einem von der Nachrichtenagentur Ansa zitierten Communiqué zum Reglement: Die Mailänder Schweizerschule habe Kinder mit Lernschwierigkeiten wie Legasthenie, Dyslexie und Autismus immer aufgenommen und tue das auch gegenwärtig, hielt er fest.

Die Schweizerschule habe einen ähnlichen Anteil an Kindern mit Lernschwierigkeiten wie öffentliche Schulen. Der Passus im Reglement sei eine "deutliche und offene Einladung zum Dialog, im Stil der Kommunikation von schweizerischen Institutionen".

Das BAK, das aus den Medien von der Reglementsänderung erfahren hatte, nahm am Montag Kontakt mit dem Schulpräsidenten auf. Ihm sei erklärt worden, dass dieser Hinweis im Reglement zu weit gehe, sagte Sprecher Daniel Menna am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Passage werde nun aus dem Schulreglement entfernt.

Dem BAK nicht vorgelegt

Bei Lernschwierigkeiten im Vorneherein von einer Schule abzuraten, passe nicht zum Geist der Schulung in der Schweiz. "Grundsätzlich sollen alle zu einer Schule zugelassen sein", stellte Menna klar. Im Einzelfall müsse geprüft werden, wie der Schulbesuch ermöglicht werden könne.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) geht laut Menna davon aus, dass ihm die Reglementsänderung hätte vorgelegt werden müssen. "Das ist nicht geschehen." Die Schweizerschule Mailand ist zwar eine Privatschule, erhält aber Geld vom Bund, nämlich rund 1,44 Millionen Franken im Jahr. Bedingung dafür ist, dass die Schule gewisse Voraussetzungen erfüllt.

Welle von Kritik in Italien

Über das geänderte Reglement berichteten am Wochenende italienische Medien und lösten damit eine Welle von Kritik aus. Italienische Politiker meldeten sich zu Wort, und auch Nachrichtenagenturen griffen das Thema auf. Das BAK sei erst durch diese Medienberichte über die Neuerung informiert worden, sagte Menna dazu.

Das Patronat über die Schweizerschule in Mailand haben die Kantone Graubünden (Gymnasium und Sekundarschule) sowie Tessin (Zweigstelle in Como und demnächst auch Kindergarten und Primarschule in Mailand). Der Kanton Graubünden hatte keine Kenntnis vom geänderten Reglement, wie beim Amt für höhere Bildung zu erfahren war.

Emanuele Berger, Generalsekretär des Tessiner Erziehungsdepartements, betonte, dass die Inklusion von Kindern mit besonderen Bedürfnissen garantiert werden müsse. Den Entscheid der Schweizerschule in Mailand, den kritisierten Passus zu streichen, werde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen.

17 Schweizerschulen weltweit

Die Mailänder Schweizerschule wurde 1919 gegründet. Derzeit hat sie rund 380 Schülerinnen und Schüler aus mehreren Ländern, wie sie auf ihrer Webseite schreibt. Sie unterrichtet zweisprachig in Italienisch und Deutsch, vom Kindergarten bis zum Gymnasium. Weltweit gibt es 17 vom Bund unterstützte Schweizerschulen.

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SDA-ATS