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Die Belegschaft der Nachrichtenagentur SDA erwartet, dass die Kündigungen während eines allfälligen Schlichtungsverfahrens sistiert werden. (Archivbild)

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

(sda-ats)

Die Belegschaft der Nachrichtenagentur SDA erwartet weitere Verhandlungen mit dem Verwaltungsrat. Angesichts von dessen Verweigerungshaltung begrüsst sie aber eine Schlichtung. Hauptdiskussionspunkte sind der Umfang des Abbaus sowie der Inhalt des Sozialplans.

"Wir wollen verhandeln und schlichten", sagte Sebastian Gänger, Mitglied der Redaktionskommission (ReKo) der SDA, zu Beginn der Medienkonferenz der ReKo mit der Gewerkschaft syndicom und dem Berufsverband impressum am Donnerstag in Bern. Die Belegschaft bevorzuge Gespräche mit dem Verwaltungsrat. "Das wäre der schnellste Weg und sicher im Sinn von beiden Seiten", sagte Gänger.

Da der Verwaltungsrat dazu aber nicht bereit sei, begrüsse die Belegschaft eine externe Schlichtung. Der Verwaltungsrat der SDA hatte bereits am Freitag die Einigungsstelle des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) angerufen. Am Montag erklärte er die Verhandlungen nach vier Runden für gescheitert.

"Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass während der Zeit der Schlichtung die Kündigungen sistiert werden", betonte Gänger. Ohne diese Sistierung verkomme das Verfahren zu einer Farce, da die Überprüfung des Abbaus neben dem Sozialplan ein zentrales Anliegen der Redaktion sei.

Das Personal erwarte vom Verwaltungsrat bis am 28. Februar eine schriftliche Bestätigung dafür. Die Belegschaft werde sich ebenfalls nächste Woche zu einer weiteren Vollversammlung treffen. Bis dahin bleibe der Streik sistiert.

"VR hat Sozialplan aufgebläht"

An den Verwaltungsrat richtet die Belegschaft den Vorwurf, er blähe den Sozialplan künstlich auf. Verwaltungsrat Matthias Hagemann hatte den Plan im Umfang von 2,5 Millionen Franken als grosszügig bezeichnet.

Tatsache sei jedoch, dass in dieser Zahl Kosten enthalten seien, die der Arbeitgeber von Gesetzes wegen übernehmen müsse, so die Arbeitnehmerseite. Michael Burkard vom Journalistenverband impressum schlüsselte den angepassten Sozialplan auf. "Darin eingerechnet sind zum Beispiel Kosten, welche entstehen, weil einigen Mitarbeitenden noch nicht gekündigt werden konnte - zum Beispiel wegen Krankheit. Dieser Posten macht rund 500'000 Franken aus."

Weiter seien die Kosten für die ausgehandelte Verlängerung der Kündigungsfrist bis Ende Februar in Höhe von rund 300'000 Franken eingerechnet sowie jene für psychologische Unterstützung, welche einige Betroffene aufgrund der Situation in Anspruch hätten nehmen müssen. Ziehe man diese Beträge ab, blieben noch 1,9 Millionen Franken im Sozialplan - genau so viel wie vor den Verhandlungen.

Bessere Übergangslösung für Ältere

Aus Sicht der Redaktion sollte der Sozialplan vier Millionen Franken umfassen, wie Stephanie Vonarburg von der Gewerkschaft syndicom erläuterte. Darin enthalten wären zum Beispiel Kompensationen für die über 60-Jährigen, damit diese nach der Entlassung bis zum regulären Pensionsalter keine Einbussen erlitten. "Die Mittel wären da", fügte Vonarburg mit Verweis auf die rund zwanzig Millionen Franken an Gewinnreserven an.

Diese Gewinnreserven spricht auch ein Betroffener an. Dem 60-jährigen Vater dreier unterstützungspflichtiger Kinder sei nach fast dreissig Dienstjahren in einem "Zweiminutengespräch" gekündigt worden. Er werde jetzt mit einem "halbbatzigen Sozialplan" abgefertigt, während sich die Aktionäre der SDA die Reserven in zweistelliger Millionenhöhe untereinander aufteilten.

"Eine Mauer"

SDA-Journalistin Tina Tuor gab zudem einen Einblick in die Verhandlungen, an welchen sie als Vertreterin der Redaktion teilgenommen hatte. Nach den vorausgegangenen Ereignissen seien sie mit Hoffnung in die Gespräche eingestiegen, sagte sie.

"Wir hatten aber immer wieder das Gefühl, vor einer Mauer zu stehen", erzählte sie. Es seien zwar höfliche Diskussionen gewesen, doch sie habe den Eindruck gehabt, dass die Delegation des Verwaltungsrats den Ausgang vorweggenommen habe. Sie seien oft frustriert gewesen.

"Wir wollen mitarbeiten, können aber nicht", schloss Sebastian Gänger. Der geplante Abbau zerstöre das Unternehmen und fördere Fake-News. Auch dagegen kämpfe die SDA.

Verwaltungsrat ohne Stellungnahme zu Sistierung

Der Verwaltungsrat der SDA nahm am Abend keine Stellung zur Forderung nach einer Sistierung der Kündigungen während der Schlichtung. Mit Anrufung der Schlichtungsstelle seien die Voraussetzungen da, die bestehenden Differenzen zu beseitigen. Dazu wolle der Verwaltungsrat "ernsthaft und offen beitragen".

Die SDA müsse sich in einem schwierigen Umfeld behaupten. An der Fusion mit Keystone müsse der Verwaltungsrat darum festhalten. Unbestritten sei, dass die Kündigungen von einem "branchenüblichen Sozialplan" begleitet würden.

Dabei habe der Verwaltungsrat wesentliche Zugeständnisse gemacht und die Kündigungen für einen Monat sistiert. Trotzdem sei eine Einigung nicht möglich gewesen. Deshalb habe er mit dem Seco die gesetzlich vorgesehene externe Mediation angerufen. Das könne jede Partei einseitig tun. Der Verwaltungsrat werde bei dem Verfahren konstruktiv und lösungsorientiert mitarbeiten.

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