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Shorttrack ist an den Winterspielen aus Sicht der Südkoreaner die Sportart Nummer 1. Das wird in der Arena ersichtlich, in der die Stimmung elektrisierend ist.

Es hätte ein weiterer Höhepunkt für die Gastgeber werden sollen, die Staffel über 5000 m der Männer zum Abschluss der Wettkämpfe. Doch plötzlich schreit das Publikum auf in der vollbesetzten Gangneung Ice Arena. Nach einem Sturz ist der Traum von der vierten Goldmedaille für die Südkoreaner im Shorttrack an diesen Winterspielen geplatzt. Der Lärmpegel steigt nicht noch einmal in ohrenbetäubende Höhen, wie das zuvor bei jedem gelungenen Überholmanöver eines Einheimischen der Fall war. Immerhin gab es für die Südkoreaner am Donnerstag eine Silber- und zwei Bronzemedaillen zu feiern.

Spektakuläre Stürze gehören zur Sportart, wie das Amen in der Kirche. Unvergessen ist der 16. Februar 2002, als der Australier Steven Bradbury in Salt Lake City im Final über 1000 m Gold erbte, weil die vier klar vor ihm liegenden Gegner in der letzten Kurve allesamt stürzten. Ohnehin dauert es nach jedem Rennen eine Weile, bis die endgültigen Resultate feststehen, da die Schiedsrichter strittige Szenen zum Teil minutenlang anschauen und danach allfällige Disqualifikationen aussprechen. Und von diesen gibt es viele auf der 111,12 m langen ovalen Bahn mit den engen Kurven. Doch genau diese packenden Kämpfe um Positionen machen die Sportart so attraktiv und auch so schwierig.

Shorttrack ist seit 1992 olympisch und wird von den Südkoreanern dominiert. Deshalb bildete es in Gangneung den stimmungsmässigen Höhepunkt. Mit dreimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze avancierten die Einheimischen zur erfolgreichsten Nation. Insgesamt stand an Winterspielen 48 Mal ein Südkoreaner auf dem Podest, 24 Mal zuoberst.

Verschiedene Theorien für Dominanz

Doch wie ist deren Dominanz zu erklären? Eine Theorie besagt, dass die Südkoreaner einen idealen Körperbau haben, da sie eher klein und wendig sind, was bei den engen Radien ein Vorteil ist. Allerdings gibt es auch in anderen Ländern kleinere Leute. Die vernünftigste Erklärung ist diejenige, dass der nationale Sportverband in den 80er und 90er Jahren auf der Suche nach einer olympischen Sportart war, in der die Südkoreaner brillieren können und dabei Shorttrack auserkor.

Deshalb baute das Land die erforderliche Infrastruktur und suchte nach Talenten. Diese werden schon von klein an technisch geschult. Dabei hilft, dass die Südkoreaner ein sehr diszipliniertes Volk sind, weshalb es ihnen leicht fällt, stundenlang die gleiche Bewegung zu wiederholen und zu perfektionieren.

Die Erfolge wurden mit allen Mitteln angestrebt. 2004 erhoben sechs Läuferinnen des Nationalteams schwere Vorwürfe gegen ihre Trainer wegen Ausübung körperlicher Gewalt und verbaler Beschimpfungen. So sollen sie mit Eishockeyschlägern geschlagen worden sein. Dass dies auch sonst der Fall war, bestätigt eine Geschichte im Magazin der "New York Times". Dort wird von einem Jungen geschrieben, der zudem gezwungen wurde, endlos Runden zu absolvieren. Gemäss dem gleichen Artikel gab es auch Manipulationen bei Gegnern. Mittlerweile sollen die Trainingsmethoden aber nicht mehr so militaristisch sein.

So oder so stellte sich der Erfolg rasch ein. Bereits bei der olympischen Premiere der Sportart 1992 in Albertville sicherte Kim Ki-Hoon Südkorea über 1000 m die erste Goldmedaille überhaupt an Winterspielen. Das hatte ein Boom zur Folge, und mittlerweile ist auch das Knowhow riesig, kann der Nachwuchs von den Topcracks profitieren. Die Konkurrenz im Land ist dermassen gross, dass die Selektion für internationale Meisterschaften schon beinahe ein Garant für Medaillen ist. Es wird also auch in Zukunft in Südkorea einiges im Shorttrack zu feiern geben.

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SDA-ATS