Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

Ein französischer Alstom-TGV in Deutschland: Der französische Konzern Alstom und das deutsche Unternehmen Siemens legen ihre Bahnsparte zusammen. (Archiv)

KEYSTONE/AP/MICHAEL PROBST

(sda-ats)

Der ICE und der TGV kommen künftig aus einem Haus: Der deutsche Siemens-Konzern bringt seine Bahntechnik-Sparte in den französischen Rivalen Alstom ein und will damit einen schlagkräftigen Konkurrenten für den chinesischen Branchenriesen CRRC schmieden.

Mit rund 15,3 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 62'000 Mitarbeitern ist die künftige Nummer zwei am Weltmarkt halb so gross wie der Marktführer. Das neu formierte Unternehmen soll einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro machen. Siemens und Alstom erwarten zudem jährliche Einspareffekte in Höhe von 470 Millionen Euro - spätestens im vierten Jahr nach dem Zusammenschluss.

Die neuen Partner achten auf ein Gleichgewicht der Kräfte bei Siemens Alstom: Der Konzern sitzt in oder nahe Paris und wird von Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge geführt, wie Siemens und Alstom am Dienstagabend mitteilten. Siemens hält aber gut 50 Prozent der Aktien und kann später sogar auf 52 Prozent aufstocken. Die Unternehmenszentrale für Mobilitätslösungen soll demnach in Deutschland sein, die für Schienenfahrzeuge in Frankreich.

"Dieser deutsch-französische Zusammenschluss unter Gleichen sendet in vielerlei Hinsicht ein starkes Signal", erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser. "Wir setzen die europäische Idee in die Tat um und schaffen gemeinsam mit unseren Freunden bei Alstom auf lange Sicht einen neuen europäischen Champion der Eisenbahnindustrie." Mit dem Schritt reagieren die Unternehmen auf den Wettbewerbsdruck, der nach dem Zusammenschluss der beiden grössten chinesischen Zughersteller zum Giganten CRRC massiv gewachsen war.

Kaum Arbeitsplatzabbau geplant

Zu möglichen Konsequenzen für die Arbeitsplätze äusserten sich Siemens und Alstom nur vage. "Die Geschäftsaktivitäten der beiden Unternehmen ergänzen sich weitgehend", hiess es in der Mitteilung nur. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire wurde deutlicher: Siemens habe unter anderem zugesagt, Arbeitsplätze und Werke in Frankreich zu erhalten.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte bereits im Vorfeld gesagt, eine Fusion im Bahngeschäft habe kaum einen Arbeitsplatzabbau zur Folge. "Mobilität ist ein Wachstumsfeld." Siemens und Alstom haben zusammen Aufträge für mehr als 61 Milliarden Euro in den Büchern.

Finanzminister Le Maire erklärte, Frankreichs Regierung unterstütze die Fusion, weil sie die europäische Industrie stärken wolle. Siemens und Alstom brauchen den Rückhalt der Politik, weil der Zusammenschluss von den EU-Wettbewerbsbehörden unter die Lupe genommen werden dürfte. Simens-Chef Kaeser hofft, dass die EU-Kommission ins Kalkül zieht, dass die Chinesen massiv nach Europa drängen.

Zustupf für bisherige Aktionäre

Da Alstom mit einem Börsenwert von rund sieben Milliarden Euro in der Fusion ein Übergewicht hätte, wollen die Franzosen unmittelbar vorher bis zu 1,8 Milliarden Euro an ihre bisherigen Aktionäre ausschütten. Ihnen werden noch rund 2,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der restlichen Anteile an einem Gemeinschaftsunternehmen mit GE in die Kasse gespült. Davon profitiert vor allem der Bau- und Medienkonzern Bouygues, der rund 28 Prozent an Alstom hält.

Trotz der Zusagen von Siemens regte sich in Frankreich im Vorfeld Angst vor einem "Ausverkauf" der Industrie des Landes - und des Hochgeschwindigkeitszugs TGV. "Ist das das Ende von Alstom? Wird der TGV deutsch?", fragte der Politiker Eric Woerth von den konservativen Republikanern. Der Generalsekretär des rechtspopulistischen Front National, Nicolas Bay, mahnte auf Twitter: "Die französisch-deutsche Partnerschaft darf nicht zur Auslöschung der französischen Industrie führen!"

Bombardier als Verlierer

Grosser Verlierer der Fusion ist der dritte der grossen westlichen Bahntechnik-Konzerne: die kanadische Bombardier. Mit ihr hatte Siemens zuerst über einen Zusammenschluss gesprochen, aber in letzter Minute Zweifel an der finanziellen Stabilität des möglichen Partners bekommen.

Damit kam Alstom ins Spiel. Bombardier, deren Zugsparte im Wesentlichen aus der ehemaligen deutschen Adtranz besteht, muss nun allein zurechtkommen. Das Unternehmen hat bereits den Abbau von 2200 der 8500 Arbeitsplätze allein in Deutschland bis 2020 angekündigt.

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

SDA-ATS