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Der Lokführer hat vor dem verheerenden Bahnunglück in Spanien nach Medienberichten mit dem Zugführer telefoniert. José Garzón sei am Mittwoch freiwillig im Gericht am Unglücksort in Santiago de Compostela erschienen, um die Identität des Anrufers zu enthüllen.

Dies berichteten spanische Medien unter Berufung auf das Oberlandesgericht von Galicien. Beim schlimmsten Bahnunglück seit 40 Jahren in Spanien starben 79 Menschen.

Der Inhalt des Gesprächs war am Mittwoch vom TV-Sender "LaSexta" enthüllt worden. Der Lokführer sei unter anderem gefragt worden: "Wie läufts bei dir?" - und habe geantwortet: "Gut, wir kommen gleich an."

Die Auswertung der Black Box hatte am Dienstag ergeben, dass Lokführer Francisco José Garzón am Telefon war, als er am vergangenen Mittwochabend wenige Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof des Pilgerortes Santiago de Compostela mit 192 Kilometern pro Stunde in eine Tempo-80-Kurve fuhr.

Lokführer verschwieg Handy-Anruf

Bei der Vernehmung räumte Garzón "Unachtsamkeit" und einen "Aussetzer" ein. Einen technischen Fehler oder Sicherheitsmängel als zusätzliche Ursache des Unfalls schlossen die Regierung und die Chefs der betroffenen Unternehmen aus.

Dass er auf dem Handy sprach, als der Unfall geschah, hatte der Lokführer bei seiner Vernehmung allerdings laut Medien verschwiegen. Die Auswertung der Blackbox habe zudem ergeben, so das Gericht, dass Garzón während des Telefongesprächs wohl auch auf ein Blatt Papier geschaut habe. Gebremst habe er einige Sekunden vor dem Unfall.

"Ich bin doch nicht so verrückt, nicht zu bremsen"

Der Lokführer kann sich laut "El País" selbst nicht erklären, warum er das Tempo nicht rechtzeitig gedrosselt hat. "Ich sage es ihnen ganz ehrlich, dass ich es nicht weiss, ich bin doch nicht so verrückt, nicht zu bremsen", sagte er bei seiner Anhörung vor Gericht am Sonntag.

Richter Luis Alaez fragte laut dem veröffentlichten Auszug des Anhörungsprotokolls nach: "Haben sie die Bremse irgendwann betätigt?" Darauf antwortete der Lokführer, er habe alle Bremsen betätigt, allerdings erst, als das Unglück bereits "unvermeidbar" gewesen sei.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Garzón ist zur Zeit unter Auflagen auf freiem Fuss. Gemäss Richterbeschluss muss er sich einmal in der Woche beim Gericht melden. Ihm wurde auch der Reisepass abgenommen. Zudem darf er zunächst sechs Monate lang keine Züge mehr fahren.

Der 52-Jährige muss sich wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen verantworten. Er würde lieber sterben, "als mit der Schuld leben zu müssen", sagte der erfahrene Eisenbahner bei der Vernehmung nach Medienberichten. Allerdings habe Garzón auch auf die schlechte Beschilderung an der Unglückskurve hingewiesen.

Verkehrs- und Bauministerin Ana Pastor teilte mit, sie wolle vor dem Verkehrsausschuss des Parlaments Stellung zum Unglück nehmen. Vorwürfe von Gewerkschaften, Medien und Kollegen des Lokführers, die Sicherheitssysteme an der engen Unglückskurve seien unzureichend, hatte sie mehrfach zurückgewiesen.

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SDA-ATS