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Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi soll sich wegen Amtsmissbrauchs und Begünstigung von Prostitution minderjähriger Frauen vor Gericht verantworten. In der Sexaffäre um die 17-jährige Marokkanerin "Ruby" beantragten die Mailänder Staatsanwälte am Mittwoch ein Schnellverfahren gegen den Medienmogul.

Die zuständige Ermittlungsrichterin muss nun innerhalb von fünf Tagen entscheiden, ob das Material der Ankläger ausreicht, die Hauptverhandlung ohne die üblichen Voruntersuchungen anzusetzen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 74-jährigen Berlusconi bis zu 15 Jahre Haft. Er selbst sieht sich als unschuldiges Opfer einer Justiz- und Medienkampagne.

Es gebe Beweise, dass diese Taten begangen worden seien, hielt Mailands Oberster Staatsanwalt Edmondo Bruti Liberati in einer Stellungnahme fest. Weil die Staatsanwälte Berlusconis Schuld nach den Ermittlungen für erwiesen ansehen, wählten sie den Weg des Schnellverfahrens.

Die zuständige Ermittlungsrichterin Cristina Di Censo wird bei ihrer Entscheidung vor allem auch berücksichtigen müssen, dass die Abgeordnetenkammer die Mailänder Justiz in dieser Sache nicht für zuständig erklärt hatte: Die Staatsanwälte hatten erfolglos in Rom beantragt, die Räume des "Kassenwarts" von Berlusconi, Giuseppe Spinelli, auf brisantes Material über bezahlte Frauen hin durchsuchen zu dürfen.

"Mubaraks Nichte"

Berlusconi soll die damals 17-jährige Marokkanerin Ruby im Mai vergangenen Jahres persönlich vor dem Gefängnis bewahrt haben. Sie war wegen mutmasslichen Diebstahls festgenommen worden.

Berlusconi hat eingeräumt, in der Nacht bei einem hochrangigen Beamten der Mailänder Polizei angerufen zu haben, um das Mädchen aus dem Polizeigewahrsam freizubekommen. Er soll dabei auch gesagt haben, sie sei die Nichte des ägyptischen Staatschefs Husni Mubarak. Berlusconis Anwälte wollen beweisen können, dass dies Rubys Aussage war, die er geglaubt habe.

Für den massiv angeschlagenen Berlusconi kommen zu der "Ruby-Affäre" in den nächsten Wochen und Monaten auch alte Prozesse um Korruption und Steuervergehen, die wieder aufgenommen werden.

Die Vorwürfe in der jüngsten Affäre haben dem Ansehen Berlusconis zwar geschadet, ihm aber dennoch nicht den umfragemässigen Todesstoss versetzt.

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SDA-ATS