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Die Stiftung Swisstransplant spricht sich gegen eine automatische Organspende aus, wie sie derzeit zur Diskussion steht. Die Einführung dieser sogenannten Widerspruchslösung ist laut Swisstransplant kontraproduktiv.

"Ein Systemwechsel könnte die Patienten verunsichern", sagte Stiftungsratspräsidentin Trix Heberlein am Mittwoch vor den Medien in Bern. Man müsse vielmehr das Vertrauen der Menschen in die Medizin stärken. In der Schweiz dürfen Organe nur entnommen werden, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder wenn es die Angehörigen erlauben.

Bei der Widerspruchslösung käme es zu einer automatischen Organentnahme, sofern der Patient dies nicht anders gewünscht hat. Der Bundesrat will im März einen Bericht über eine mögliche Einführung der Widerspruchslösung präsentieren.

Im Gegensatz zur Schweiz kennen die meisten Nachbarländer die automatische Organspende. In Frankreich, Italien und Österreich ist die Spenderquote beinahe doppelt so hoch wie in der Schweiz, wo auf eine Million Menschen nur 12,8 Organspenden kommen.

Regionale Spitäler im Visier

Swisstransplant will stattdessen die Quote mit Verbesserungen in den Spitälern erhöhen. Laut einer am Mittwoch präsentierten Studie könnten damit die Organspenden auf das Dreifache erhöht werden. Das Potenzial liege bei fast 36,3 Spendern pro Million Einwohner.

Insbesondere bei regionalen Spitälern sieht die Studie Handlungsbedarf. "In vielen peripheren Spitälern fehlt die Sensibilisierung für Organspenden", sagte Christoph Haberthür, Präsident des Nationalen Ausschusses für Organspende. Dadurch gingen potenzielle Spender verloren.

Das Problem der regionalen Unterschiede will Swisstransplant mit zusätzlichem Fachpersonal in den Spitälern angehen. Dieses soll Schulungen durchführen und die Angehörigen von Organspendern betreuen. Die Kantone müssten eigentlich laut Bundesgesetz das entsprechende Geld zur Verfügung stellen. Doch insbesondere in der Deutschschweiz werde diese Pflicht vernachlässigt, sagte Haberthür.

In der Westschweiz und im Tessin, wo solche Experten existierten, sei die Erkennung von potenziellen Organspendern mit 60 Prozent wesentlich höher als in Gebieten ohne Fachpersonal, sagte Haberthür. Im Spitalnetzwerk Zürich betrage diese Quote beispielsweise nur 28 Prozent.

Das Netzwerk Zürich ist bereits den Anregungen von Swisstransplant gefolgt. Im vergangen Jahr habe man zusätzliches Personal eingestellt und könne in allen Netzwerkspitälern einen 24-Stunden-Dienst anbieten, teilte das Universitätsspital Zürich mit.

Zunehmende Ablehnung von Transplantationen

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist die zunehmende Skepsis der Bevölkerung gegenüber Organspenden. Die Ablehnungsrate lag im vergangenen Jahr bei rund 53 Prozent. Dies entspreche einer Zunahme von über 10 Prozent seit 2008, sagte Haberthür. Europaweit beträgt die Ablehnung rund 30 Prozent.

Swisstransplant-Direktor Franz Immer macht das mangelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Medizin für die Skepsis verantwortlich. "Es muss eine Kultur des Vertrauens geschaffen werden", sagte Immer. Das dies möglich sei, zeigten die starken regionalen Unterschiede.

So sei die Ablehnung etwa in Aarau und Luzern wesentlich kleiner als anderswo. Der Grund dafür ist laut Immer einfach: "Im Gespräch mit den Ärzten konnten die Angehörigen von Organspendern Vertrauen fassen."

Jährlich sterben in der Schweiz bis zu hundert Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhalten. Die Warteliste für Organspenden ist seit 2005 um 71 Prozent gewachsen. Im vergangen Jahr warteten 1165 Personen auf ein Organ.

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SDA-ATS