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Syriens Regime lässt auf Trauerzüge schiessen - Wieder Tote

Syriens Opposition hat am Samstag um mehr als hundert Demonstranten getrauert, die bei den Protesten am Vortag getötet worden waren. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad antwortete mit neuen Schüssen.

In der südsyrischen Stadt Israa wurden sechs, in einem Vorort von Damaskus drei Beerdigungsteilnehmer erschossen.

Nach Angaben der Opposition vom Samstag waren am Vortag in ganz Syrien 112 Demonstranten getötet worden. Aktivisten sprachen von einem "Massaker". Es war der blutigste Tag seit Beginn der Proteste vor fünf Wochen. Landesweit waren am Freitag Hunderttausende auf die Strasse gegangen, um gegen die Assad-Herrschaft zu demonstrieren, so viele wie noch nie.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete derweil, bei "Angriffen" von Bewaffneten auf Polizei- und Armeeposten seien zehn Menschen getötet worden. Unter ihnen seien zwei Polizisten sowie zusammen acht Soldaten und angebliche Angreifer. Auf die grosse Zahl getöteter Demonstranten gingen die Regime-Medien nicht ein.

Ausländische Journalisten erhalten kaum Arbeitsvisa für Syrien und werden von den Behörden daran gehindert, die Proteste selbst zu beobachten.

Zu dem hohen Blutzoll kam es, weil Heckenschützen in Zivil von Hausdächern in die Menschenmengen feuerten. Die Regime-Medien sprachen nur vage von "unidentifizierten Bewaffneten". Die Aktivisten gingen aber davon aus, dass sie zu Sonderkommandos des allmächtigen Geheimdienstes gehörten.

Abgeordnete treten zurück

Zwei Abgeordnete des linientreuen Parlaments aus der Provinz Daraa gaben unterdessen unter Protest ihr Mandat zurück. Die Parlamentsabgeordneten Chalil al-Rifaa und Nasser Hariri begründeten ihren Rücktritt im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira damit, dass sie sich nicht mehr in der Lage gesehen hätten, die Bevölkerung in der Provinz Daraa zu schützen.

Die gleichnamige Provinzhauptstadt war einer der ersten Brennpunkte der regierungsfeindlichen Proteste. Dutzende Demonstranten wurden von den Sicherheitskräften allein dort getötet.

Bislang galt es in Syrien als unerhört, dass Abgeordnete ihr Mandat zurückgeben. Das Parlament ist ohnehin nicht frei gewählt. Ähnlich wie in den früheren Ostblock-Staaten wird bei einer Pseudo-Wahl die überwiegende Mehrheit der Sitze über eine vom Regime zusammengestellte Einheitsliste verteilt.

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