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Nur vier Tage nach der Premiere ist der "Nazi"-Tannhäuser in Düsseldorf abgesetzt worden. Die Inszenierung mit drastischen Holocaust-Szenen hatte Empörung ausgelöst. Nun wird das Werk nur noch konzertant aufgeführt.

Nur ein einziges Mal durfte die Inszenierung von Wagners "Tannhäuser" als Nazi-Verbrecher mit drastischen Holocaust- und Erschiessungsszenen gezeigt werden. Vier Tage nach der Premiere war schon Schluss: Nach einem Empörungssturm vieler Zuschauer setzte Intendant Christoph Meyer die Inszenierung des Mannheimer Schauspielchefs Burkhard C. Kosminski ab.

Von Donnerstag an sollte Tannhäuser nur noch konzertant, also mit Musik und Gesang, aufgeführt werden. Die Absetzung ist für die Oper am Rhein, die in den vergangenen Jahren nicht gerade durch Skandale oder provokante Inszenierungen aufgefallen ist, ein beispielloser Akt.

Absetzungen sind selten

Überhaupt werden umstrittene Werke eher selten von den Spielplänen der Bühnen gestrichen. 2006 setzte die Deutsche Oper Berlin aus Sorge über mögliche islamistische Anfeindungen die Wiederaufnahme der Mozart-Oper "Idomeneo" ab.

In der Inszenierung von Hans Neuenfels präsentierte König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed. Schon bei der Premiere im Dezember 2003 hatte es Publikumstumulte gegeben.

Bereits Jahrzehnte zurück liegt ein Salzburger Skandal um George Tabori. 1987 wurde genau ein Mal Taboris Inszenierung von Franz Schmidts Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" in einer Kirche gezeigt - mit sadistischen Sex-Szenen und Vampirismus. Dann war Schluss. Fortan hiess es ebenfalls: nur noch konzertant.

Gaskammer und Erschiessung

Bei "Tannhäuser" hatte die Rheinoper wohl überhaupt nicht mit solch heftigen Zuschauerreaktionen gerechnet. Dabei waren die Holocaust-Szenen gleich zu Beginn des viereinhalbstündigen Opernabends äusserst drastisch. Zur berühmten Ouvertüre gab es ein Gaskammer-Bild: Nackte Statisten sanken in Glaskuben zu Boden, die sich langsam mit Nebel füllten.

In einer anschliessenden Partiturpause wurde eine Familie entkleidet, rasiert und von Nazi-Schergen und Tannhäuser (mit Hakenkreuzbinde) erschossen. Den Venusberg, bei Wagner Ort der hedonistischen Liebe, deutete Kosminski zum Ort der Nazi-Verbrechen um. Schon nach 30 Minuten gellten am Samstag Buhrufe durch den Saal.

Jüdische Gemeinde hat nichts dagegen

Öffentlich gefordert hatte die Absetzung des "Tannhäuser" allerdings niemand. So fand die jüdische Gemeinde die Inszenierung zwar "geschmacklos", aber Gemeindedirektor Michael Szentei-Heise erklärte ausdrücklich, dass er nicht die Absetzung verlange.

Wagner sei zwar ein "glühender Antisemit" gewesen, habe aber mit dem Holocaust nichts zu tun. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte zwar auch Kenntnis von der umstrittenen Inszenierung, nahm aber öffentlich nicht Stellung dazu.

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SDA-ATS