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Das Publikum ist hautnah am Geschehen dabei: Szene aus der getanzten Pilgerreise "Peregrinatio" von Beate Vollack in der Kathedrale St. Gallen anlässlich der St. Galler Festspiele.

KEYSTONE/EDDY RISCH

(sda-ats)

"Beten mit den Füssen", nennt Beate Vollack ihr Tanzstück für die 13. St. Galler Festspiele: "Peregrinatio" nimmt das Publikum auf eine Pilgerreise durch die Kathedrale mit, begleitet von mächtigen Orgelklängen und berührendem Gesang.

In diesem Jahr stammt die Choreografie für das Tanzstück der St. Galler Festspiele erstmals von der Tanzchefin selber. Vorher habe sie sich nicht getraut, den mächtigen Raum zu bespielen, sagt Beate Vollack, die seit der Spielzeit 2014/2015 die St. Galler Tanzkompanie leitet. "Die Kathedrale gibt den Weg des Tanzes vor", sagt sie.

Einer Führung durch die Kathedrale haben ihr neue Perspektiven offenbart. Diese ungewöhnlichen Eindrücke und Blickwinkel möchte Beate Vollack teilen. Sie nimmt das Publikum auf eine spirituell Reise durch das imposante Gebäude mit.

"Stationen-Theater"

Das Tanzstück "Peregrinatio" ist nach den Themen Aufbrechen, Unterwegs, Jetzt und Ankommen strukturiert und spürt dem Prinzip des Pilgerns nach, das bis heute in allen Religionen anzutreffen ist. Die 16 Tänzerinnen und Tänzer tanzen an drei Stationen auf der symbolischen Pilgerroute nach Santiago de Compostela.

Die Zuschauer begleiten sie an die unterschiedlichen Orte in der Kathedrale: Entweder in den Mittelgang zwischen den Kirchenbänken (Le Puy-en-Velay), ins Chorgestühl (Konstanz) oder in den ehemaligen Westchor unter der Orgel (Bangor). Zum Schluss kommen die Zuschauer vor dem Altar zusammen, wo sie vor dem Altar gemeinsam der Schlussszene des Stück erleben.

Das "Stationen-Theater" nimmt das Publikum vom ersten Moment an gefangen: Mit brennenden Taufkerzen schreiten die Tänzerinnen und Tänzer wie Messdiener durch die heiligen Hallen. Durch die Fenster schimmert noch schwach etwas Tageslicht und Domorganist Willibald Guggenmos intoniert den "Sonnen-Hymnus" von Max Drischner.

Orgel im Zentrum

Genauso wie das Licht verändert sich auch das musikalische Erlebnis, in dem die Orgel ganz im Zentrum steht. Willibald Guggemos ist ein virtuoser Organist von Weltrang, der der Domorgel ungeahnte Klänge entlockt.

Die Werke stammen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Experimentelle Klänge von Philip Glass ("Mad Rush") haben genauso Platz wie Orgelmusik der Romantik von Louis Vierne.

Die iranische Sopranistin Sheida Damghani, Ensemblemitglied des Theaters St. Gallen, stösst das Tor zum Chorgestühl auf, ein Ort, der im Alltag nicht betreten werden darf, und führt mit ihrer hellen Stimme das Publikum zur nächsten Station.

Die Tänzer tanzen simultan an den unterschiedlichen Orten die gleiche Choreografie. Für die Zuschauer eröffnen sich, je nach Standpunkt, unterschiedliche Blickwinkel. Wie in einer Verkettung von Spiegelungen wiederholt sich das Tanzspiel durch das gesamte Kirchenschiff.

Der Weg zu sich selber

Die Tänzerinnen und Tänzer wirken durch die Wucht der Kathedrale seltsam entrückt. Die Stimmung ist andächtig wie bei einer Messe. Beate Vollack geht es um die emotionalen Zustände einer Pilgerreise: Die Akteure bewegen sich mal schlurfenden Schrittes, mal mit leichtfüssigen Sprüngen durch die Sitzreihen.

Die Kostüme (Dieter Eisenmann) sind erst schlicht (graue Jeans und Hemd) und dann feierlich (weisser Umhang). Die Symbolik erinnert an tanzende Derwische. Mit kreisenden Bewegungen fliegen die Tänzer über den Altarraum. Der Weg zu sich selber ist in den letzten Jahren ins Zentrum vieler Pilgerreisen gerückt.

Der Ortswechsel in die Kathedrale ist Beate Vollack geglückt. Das Publikum feierte die Premiere mit stehenden Ovationen. Ihre persönliche Reise geht bald weiter: Die Leiterin der Tanzkompanie verlässt nach der Spielzeit 2018/19 das Theater St. Gallen.

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SDA-ATS