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Mindestens 10'000 junge Menschen haben die Berner Innenstadt in eine Party-Meile verwandelt und zugleich für mehr Freiräume protestiert. Der lautstarke Umzug verlief bis spätnachts ohne grösseren Zwischenfälle.

Viele Teilnehmer der Kundgebung unter dem Motto "Tanz dich frei" schienen gewillt, die Nacht zum Tag zu machen - in der Innenstadt herrschte morgens um 1.30 Uhr immer noch reges Treiben. Gefordert war insbesondere die Sanitätspolizei - je später die Stunde, desto grösser die Zahl der stark alkoholisierten Menschen.

Die "Tanz-Demo" richtete sich in erster Linie gegen die behördliche Reglementierungswut des Berner Nachtlebens. Die anonymen Organisatoren hatten sich nicht um eine Bewilligung bemüht und stattdessen via Facebook und andere Plattformen zur Strassenparty aufgerufen.

Der Aufruf wurde rege befolgt. Beobachter gingen von mindestens 10'000 Menschen aus, die den Sound-Mobiles folgten. Damit handelt es sich um Berns grösste Jugendkundgebung seit November 1987, als die junge Generation für die alternative Hüttensiedlung Zaffaraya auf die Strasse gegangen war. Die Polizei hatte im Vorfeld signalisiert, sie werde den Umzug tolerieren.

Die Demo-Teilnehmer versammelten sich am Samstagabend vor dem Kulturzentrum Reitschule und brachen von dort zum Tanz durch die Innenstadt auf. Transparente waren nur wenige zu sehen. Eines der Sound-Mobiles trug den Namen "Retourkutsche" - eine Anspielung darauf, dass der Umzug auch eine Reaktion auf kürzlich verschärfte Betriebsauflagen für die Reitschule war.

Knallpetarden

Während des Umzugs waren regelmässig Knallpetarden gezündet worden. Vor dem Hotel "Schweizerhof" flogen zudem Feuerwerkskörper gegen die Fassade. Mehrere Teilnehmer brachten sich in Gefahr, als sie den Baldachin - die Überdachung beim Bahnhof - bestiegen und sich in der Nähe der Fahrleitungen aufhielten.

Etliche Gebäude wurden mit Sprayereien versehen, darunter auch das Bundeshaus. Dort erklomm ein Aktivist die Bundeshaus-Terrasse und schwenkte eine Fahne. In den Strassen türmte sich der Abfall.

Dem Aufruf der anonymen Organisatoren angeschlossen hatten sich unter anderen die Betreiber der Reitschule, mehrere Gastrobetriebe und Nachtklubs, aber auch Linksparteien und verschiedene Interessensorganisationen.

Mit der Tanz-Demo verknüpften sie eine Vielzahl von Anliegen. Im Zentrum stand zwar der Protest gegen das von vielen Jungen als trist empfundene Berner Nachtleben, doch für manche ging es auch um Kapitalismuskritik, und viele nahmen wohl einfach wegen des Happenings am Umzug teil.

SDA-ATS