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"Ich wollte sicher sein, dass das, was ich sage, korrekt ist": US-Präsident Donald Trump verteidigt seine späte Reaktion auf die Gewalt in Charlottesville.

KEYSTONE/AP/PABLO MARTINEZ MONSIVAIS

(sda-ats)

US-Präsident Donald Trump hat seine umstrittene Reaktion auf rechtsextreme Gewalt in Charlottesville verteidigt. Es gebe "Verschulden auf beiden Seiten", beharrte er. Der Chef der wichtigsten US-Gewerkschaft zog sich danach aus einem Beirat des Präsidenten zurück.

"Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte Trump an einer hitzigen Pressekonferenz im Trump Tower in New York. Damit verteidigte der US-Präsident Neonazis gegen Gegendemonstranten.

Trump verwies sowohl auf die Mitglieder mehrerer rechtsextremer Gruppierungen, die sich am Wochenende in der Universitätsstadt im Bundesstaat Virginia getroffen hatten, als auch auf Gegendemonstranten. Eine 32-jährige Frau starb, als ein 20-jähriger Neonazi sein Auto offenbar absichtlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten steuerte.

Trump hatte eine klare Schuldzuweisung an Rechtsextreme zunächst vermieden und von Gewalt auf "vielen Seiten" gesprochen. Bei zahlreichen Politikern der Demokraten, aber auch bei Trumps Republikanern, hatte dies scharfe Kritik hervorgerufen. Erst mit zwei Tagen Verspätung distanzierte sich Trump am Montag auf massiven Druck hin eindeutig von der rechtsextremen Gewalt.

Fakten abgewartet

Auf die Frage, warum er zwei Tage gewartet habe, bevor er die rechtsextreme Gewalt ausdrücklich verurteilt habe, sagte Trump, er habe kein "schnelles Statement" abgeben, sondern zunächst alle Fakten abwarten wollen. Er habe "sehr genau hingeschaut, sehr viel genauer als die meisten Leute", führte er weiter aus. Beide Gruppen in Charlottesville seien aggressiv gewesen. Dies wolle nur niemand zugeben.

Sicht- und hörbar schwer verärgert sagte Trump, in Charlottesville seien längst nicht nur Rassisten und Nationalisten auf der Strasse gewesen, sondern auch unschuldige Demonstranten, die etwa am Vorabend friedlich gegen den Abriss der Statue des Südstaatengenerals Robert E. Lee hätten protestieren wollen. Es habe "auf beiden Seiten sehr anständige Leute" gegeben.

Am Vorabend der Zusammenstösse waren in Charlottesville Neonazis und andere Ultrarechte durch die Stadt gezogen, unter ihnen der rassistische Ku Klux Klan und die Alt-Right-Bewegung, die Trump im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte. Viele trugen Fackeln, hatten den rechten Arm zum Hitlergruss erhoben und riefen "Tod den Juden!". Manche Teilnehmer gaben sich auf Mützen und T-Shirts als Trump-Anhänger zu erkennen.

UNO-Generalsekretär meldet sich zu Wort

Minuten nach Trumps Einlassungen twitterte der frühere Ku-Klux-Klan-Chef David Duke, er danke dem Präsidenten für seine Aufrichtigkeit und den Mut, die Wahrheit zu Charlottesville auszusprechen und die "Linksterroristen" in der Bewegung "Black Lives Matter" und der Antifa zu verdammen.

Trump sagte, die Ereignisse von Charlottesville seien ein schrecklicher Moment für die USA gewesen. Mit seine Einlassungen vom Dienstag fiel der Präsident deutlich hinter sein Statement vom Montag zurück. US-Medien wiesen darauf hin, dass Trumps Argumentation der rechter Talk-Radios sehr ähnlich sei. Diese Sender sind wichtig für Trumps Basis.

Klare Worte fand UNO-Generalsekretär Antonio Guterres. Er verurteilte Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. "Wir müssen dem entgegentreten. Immer. Überall", erklärte Guterres am Dienstag per Twitter. "Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Anti-Semitismus und Islamfeindlichkeit vergiften unsere Gesellschaften."

Exodus aus Beratergremium

Aus Protest gegen Trumps zögerliche Reaktion auf die rechtsextreme Gewalt zog sich auch der Chef des grössten Gewerkschaftsdachverbands aus einem der Beratergremien des Präsidenten zurück. "Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert", erklärte Richard Trumka von dem Verband AFL-CIO am Dienstag. Er warf Trump vor, mit seinen jüngsten Bemerkungen seine "aufgezwungene" Erklärung zu den Vorfällen vom Vortag zu widerrufen.

Aus Protest über Trumps Verhalten hatten bereits die Chefs des Pharmariesens Merck, des Chipherstellers Intel sowie des Sportartikelherstellers Under Armour den Industriebeirat des Präsidenten verlassen. Ihnen folgte am Dienstag der Präsident des Industrieverbands "Alliance for American Manufacturing", Scott Paul.

Zukunft des Chefstrategen offen

Zugleich verteidigte Trump seinen umstrittenen Chefstrategen Steve Bannon, dessen einstiges Internet-Portal "Breitbart News" für das Erstarken der antisemitischen und rassistischen Alt-Right-Bewegung mitverantwortlich gemacht wird. Dieser sei "ein guter Mann, kein Rassist", erklärte Trump. Er sei sein Freund und er möge ihn.

Er liess Bannons Zukunft im Weissen Haus aber im Unklaren. "Wir werden sehen, was mit Herrn Bannon geschieht", sagte Trump. US-Medien hatten zuvor berichtet, Bannon stehe möglicherweise kurz vor der Entlassung. Bannon gilt als einer der Köpfe hinter den Machtkämpfen im Weissen Haus.

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SDA-ATS