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Über 70 Tote bei Demonstrationen in Syrien

Ungeachtet der Aufhebung des seit 48 Jahren geltenden Ausnahmezustands in Syrien sind Sicherheitskräfte gewaltsam gegen regierungkritische Demonstranten vorgegangen.

Bei den Einsätzen gegen die landesweiten Kundgebungen mit zehntausenden Menschen wurden am Freitag nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als 70 getötet.

Sieben Demonstranten starben in mehreren Vorstädten von Damaskus, 18 Menschen starben allein in der südlichen Stadt Asraa, als Heckenschützen auf Hausdächern das Feuer eröffneten. Weitere Opfer wurden aus mehreren anderen Städten gemeldet. In der nördlichen Stadt Homs eröffneten die Sicherheitskräfte das Feuer auf die Protestkundgebungen.

In der Hauptstadt Damaskus trieben Sicherheitskräfte knapp 200 Demonstranten auseinander. Zuvor hatten die Teilnehmer, die sich vor der Al-Hassan-Moschee versammelten, Slogans wie "Freiheit, Freiheit" und "Das syrische Volk ist eins" gerufen, wie der Chef der Syrischen Menschenrechtsliga, Abdel Karim Rihaui, sagte. Es war eine der grössten Kundgebungen in Damaskus seit Beginn der Protestwelle Mitte März.

Rund 5000 Demonstranten versammelten sich in der vorwiegend von Kurden bewohnten Stadt Kamischli im Nordosten Syriens. Dabei sprachen sich Kurden, Araber und orthodoxe Christen gemeinsam gegen Korruption aus. Im nordwestlichen Banias gingen nach Angaben eines religiösen Würdenträgers rund 10'000 Menschen "für Freiheit und für Reformen" auf die Strasse.

In der Stadt Daraa, wo die Protestwelle vor Wochen ihren Anfang genommen hatte, hätten tausende Menschen für Präsident Baschar al-Assads Sturz und die Auflösung seiner Sicherheitsbehörden demonstriert, sagte ein Augenzeuge. Hunderte Demonstranten im zentralsyrischen Rakka wurden auseinandergetrieben.

Aufhebung des Ausnahmezustands

Präsident Assad hatte am Donnerstag per Dekret den seit 1963 geltenden Ausnahmezustand in Syrien aufgehoben, der die meisten Bürgerrechte ausser Kraft gesetzt hatte.

Wie das Staatsfernsehen berichtete, erliess er zudem zwei Dekrete zur Abschaffung des Staatssicherheitsgerichts, das ausserhalb des ordentlichen Rechtssystems agiert, sowie zum Recht der Bevölkerung auf friedliche Demonstrationen.

Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch riefen die syrischen Behörden auf, die Syrer ihr Recht auf friedliche Versammlungen ausüben zu lassen.

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