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Überraschung: Roger de Weck zum neuen SRG-Generaldirektor gewählt

Dieser Inhalt wurde am 18. Mai 2010 - 18:26 publiziert
(Keystone-SDA)

Bern - Die Delegierten haben Roger de Weck in Bern zum neuen SRG-Generaldirektor gewählt. Der Publizist folgt auf Armin Walpen, der Ende Jahr in den Ruhestand tritt. De Weck ist der achte Generaldirektor seit der SRG-Gründung 1931.
Die Wahl de Wecks ist eine Überraschung: Der Publizist war im Vorfeld in den Medien nicht als möglicher Kandidat gehandelt worden. Er tritt sein Amt am 1. Januar 2011 an, wie die SRG SSR idée suisse mitteilte.
Der 56-Jährige ist Moderator der SF-"Sternstunden" und war Chefredaktor der deutschen Tageszeitung "Zeit" und des "Tages-Anzeigers" sowie Mitglied der Tamedia-Konzernleitung. Heute ist er Präsident des Institut de hautes études internationales et du développement in Genf und freier Publizist. Roger de Weck ist in Freiburg geboren und zweisprachig.
Der SRG-Verwaltungsrat setze mit de Weck auf "ein Symbol für die Idée Suisse", sagt Medienwissenschaftler Roger Blum. Als gebürtiger Romand mit Arbeitserfahrung bei Deutschschweizer Medien integriere de Weck alle Landesteile. Zudem bringt de Weck laut Blum nicht nur journalistische Kompetenzen, sondern auch Führungserfahrung mit.
De Weck verfüge zwar über viele Kompetenzen, aber ihm fehle Managementerfahrung, sagte der Zürcher Nationalrat und FDP-Vizepräsident Markus Hutter. Deutliche Worte fand SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner: Mit dem linksliberalen Europabefürworter Roger de Weck bleibe alles beim alten: "Rotes Staatsfernsehen", sagte er.
Erfreut über den neuen SRG-Generaldirektor zeigten sich CVP und SP. De Weck sei ein erklärter Kämpfer gegen die Polarisierung im Land, sagte CVP-Sprecherin Marianne Binder. Als "überzeugten Kämpfer für den Service Public" charakterisierte ihn SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr. Medienminister Moritz Leuenberger begrüsst die Wahl de Wecks.
Auch bei den Mediengewerkschaften hat Wahl mehrheitlich positive Reaktionen ausgelöst. Der SRG-Verwaltungsrat habe sich damit für "Qualitätsjournalismus, Vielfalt und redaktionelle Unabhängigkeit" entschieden, schreibt etwa Impressum. Auch Comedia und das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) äusserten sich positiv.
Zweifel an der Konkordanzfähigkeit hegt der Schweizerische Gewerbeverband (sgv): De Weck habe mit seinem bisherigen journalistischen und politischen Engagement weite Bevölkerungskreise ausgegrenzt.
Der SRG-Generaldirektor ist Chef eines Unternehmens mit 6100 Angestellten, acht TV- und 18 Radioprogrammen. Er verdient knapp 600'000 Franken im Jahr. Die SRG setzt jährlich rund 1,6 Milliarden Franken um.

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