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Ein älterer Afghane in Kabul beim Anziehen einer Beinprothese. Wie die UNO mitteilt, werden immer mehr Zivilisten zum Opfer der kriegerischen Handlungen in Afghanistan. (Archiv)

Keystone/AP/Musadeq Sadeq

(sda-ats)

Die Zahl der in Afghanistan getöteten und verletzten Kinder ist dramatisch gestiegen. Über 3500 Kinder fielen laut UNO-Angaben 2016 dem neu aufgeflammten Krieg zwischen radikalislamischen Taliban und afghanischer Regierung zum Opfer.

Das sind 24 Prozent mehr als im Vorjahr, wie es in dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der UNO-Mission in Afghanistan (UNAMA) zu zivilen Opfern heisst. Fast jedes dritte Opfer sei nun ein Kind.

Die UNO machen dafür vor allem die Zunahme von Gefechten in dicht besiedelten Gebieten mit vielen Familien verantwortlich. Erheblich mehr Kinder seien deshalb auch durch explosive Überbleibsel von Kämpfen wie nicht detonierte Munition zu Schaden gekommen (plus 65 Prozent).

Ausserdem sei die Zahl der Kinderopfer durch die vor allem von Taliban gelegten improvisierten Sprengsätze (IED) um vier Prozent gestiegen. Und auch internationale und afghanische Luftschläge hätten mehr als doppelt so viele Kinder getötet oder verletzt wie im Vorjahr (200 Kinder).

Auch die Gesamtzahl der getöteten oder verletzten Zivilisten hat einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt sind laut UNO-Bericht im vergangenen Jahr 11'418 Unbeteiligte getötet oder verletzt worden - ein Anstieg von drei Prozent gegenüber 2015. Die Zahl der Verletzten sei um sechs Prozent gestiegen (auf 7920 Menschen), die Zahl der Toten um zwei Prozent zurückgegangen (auf 3498 Menschen).

UNO besorgt wegen Frauen

Unter den Frauen ist die Zahl der Opfer leicht zurückgegangen (minus zwei Prozent). Allerdings weist die UNO "besorgt" daraufhin, dass die Taliban Frauen weiterhin in Selbstjustiz für vermeintlich unmoralisches Verhalten bestraften - ein Trend, der sich laut Menschenrechtsaktivisten seit etwa zwei Jahren stetig verschärft.

Ausserdem habe es sehr viel mehr gezielte Morde von Frauen gegeben (plus 25 Prozent). Viele weibliche Opfer seien Menschenrechtsaktivistinnen, Polizistinnen oder generell "im öffentlichen Leben" aktiv gewesen.

Am stärksten vom Krieg betroffen waren 2016 die Zivilisten im Süden des Landes, heisst es in dem Bericht weiter. Den grössten Anstieg von Opfern (plus 34 Prozent) verzeichne aber Zentralafghanistan, vor allem wegen vieler Selbstmordanschläge in der Hauptstadt Kabul.

Zahlen möglicherweise zu niedrig

Die UNO machen die Taliban und andere Rebellen- oder Terroristengruppen - wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - für 61 Prozent aller zivilen Opfer verantwortlich. Dabei habe der IS fast zehn Mal so viele Zivilisten getötet oder verletzt (899) wie noch 2015.

22 Prozent der Opfer gingen auf das Konto afghanischer Sicherheitskräfte, zwei Prozent auf das internationaler Sicherheitskräfte. Der Rest sei oft nicht eindeutig zuzuordnen.

Insgesamt kamen die meisten Zivilisten durch Gefechte zwischen Taliban und Sicherheitskräften zu Schaden. Zweitgrösste Todesursache waren die von Taliban gelegten IED.

Die Vereinten Nationen geben den jährlichen Bericht zur Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan seit acht Jahren heraus. Seitdem wurden in dem Land mehr als 24'800 Menschen getötet und zehntausende weitere verletzt. Angesichts des schrumpfenden Zugangs zu Provinzen weisen die UNO darauf hin, dass ihre Zahlen möglicherweise zu niedrig sind.

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SDA-ATS