Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

Jeder zweite Angestellte erlebte schon einmal potenziell belästigendes Verhalten am Arbeitsplatz. Dies zeigt eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Typische Täter und Opfer gebe es nicht, entscheidend sei das Unternehmensklima, berichten die Forscher.

Sexistische Sprüche, schlüpfrige Mails, scheinbar zufällige Berührungen oder aufgezwungene Küsse sind mögliche Formen sexueller Belästigungen am Arbeitsplatz, schrieb der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Forschung finanziert hat, am Mittwoch in einer Mitteilung.

Wie häufig dies vorkommt, hat nun ein Team um Franciska Krings von der Universität Lausanne und Marianne Schär Moser vom Unternehmen "Forschung und Beratung" erhoben. Sie haben dafür im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Gleichstellung der Geschlechter" (NFP 60) 2400 Angestellte befragt und frühere Studien ausgewertet.

Männer und Frauen tun es

Die Hälfte der Befragten gab an, schon einmal eine unerwünschte, potenziell belästigende Verhaltensweise erlebt zu haben - Frauen und Männer in ähnlichem Ausmass. In einer zweiten Befragung mit 800 Personen gaben 66 Prozent der Frauen und 71 Prozent der Männer an, sich selbst im letzten Jahr mindestens einmal potenziell belästigend verhalten zu haben.

Von Übergriffen wie sexistische Sprüchen, sexuellen Diskussionen, pornografischem Material oder Berührungen fühlten sich die Frauen indes stärker betroffen. Dies ist gemäss dem Gleichstellungsgesetz das Mass für sexuelle Belästigung. In der Deutschschweiz waren dies rund 31 Prozent aller Frauen, in der Westschweiz und im Tessin je rund 18 Prozent.

Bei den Männern waren es 11 Prozent (Deutschschweiz), 7 Prozent (Romandie) und 6 Prozent (Tessin). Als Grund für diese Unterschiede gibt Krings an, dass Belästigung auf Frauen aufgrund der vorherrschenden Macht- und körperlichen Kräfteverhältnisse bedrohlicher wirke.

Den Tätern und Täterinnen sei bewusst gewesen, dass ihr Verhalten inopportun und schädlich sei, erklären die Forschenden. Typische Persönlichkeitsmerkmale fanden sich weder bei Opfern noch Tätern. "Es gibt nicht den Täter und das Opfer", liess sich Krings in der Mitteilung zitieren.

Zweideutige Sprüche im Unternehmen

Deutlicher fiel das Urteil zur Unternehmenskultur aus: Diese sei entscheidend, ob sexuelle Belästigungen auftreten, erklärten die Forschenden. In einem sexualisierten Arbeitsklima, bei dem zweideutige Sprüche zum Alltag gehören, sei die Wahrscheinlichkeit von Vorfällen deutlich erhöht.

Schützend wirke indes ein Arbeitsklima, das von gegenseitigem Respekt und ethischen Grundsätzen geprägt ist. Aufklärungsarbeit sollte das Thema deshalb auf breiter Front angehen, etwa durch Respekt fördernde Massnahmen. "Das weckt weniger Widerstände als das alleinige Behandeln des Themas Belästigung, bei dem sich gerade Männer oft verdächtigt fühlen", sagte Krings.

SDA-ATS