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Bereits in wenigen Jahren wird nicht mehr genug Uran gefördert werden, um alle Atomkraftwerke wirtschaftlich betreiben zu können. Davor warnt ein Zürcher Physiker nach einer Hochrechnung. Ein Kollege hält dagegen, dass es wohl noch genügend Uranlager zu entdecken gebe - die Länder diese aber geheim halten.

Die neue Studie basiert auf Daten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA über die weltweite Gewinnung von Uranerz in früheren und aktuellen Minen, wie die ETH Zürich am Dienstag mitteilte. Diesen zufolge seien viele bekannte Uranlager erschöpft oder werfen bald nicht mehr genug Ertrag ab.

Schon in fünf Jahren werde es zu einem Uranmangel und massiven Preiserhöhungen kommen, warnt deshalb Michael Dittmar von der ETH Zürich im Fachjournal "Science of the Total Environment".

Den Daten zufolge erreicht der Abbau von Uranerz bereits 2015 mit 58'000 Tonnen ein Maximum. Bis 2030 dürfte er dann auf 36'000 bis 46'000 Tonnen schrumpfen, schreibt der Physiker. Hingegen betrage der Bedarf im Jahr 2030 voraussichtlich rund 68'000 Tonnen.

Blackout in manchen Ländern

"Das könnte dazu führen, dass das geförderte Uran nicht reicht, um alle AKW zu betreiben - und zwar unabhängig vom Preis", sagte Dittmar, der am Cern bei Genf Elementarteilchen erforscht. Einige Länder würden dann kein Uran mehr bekommen. Dieser unfreiwillige und unkoordinierte Atomausstieg könnte dort zu einem teilweisen bis kompletten Zusammenbruch ihrer Stromversorgung führen, warnte er.

Um dies zu verhindern, so lautet Dittmars politische Schlussfolgerung, müssten die Länder die Atomkraft freiwillig stufenweise abbauen. Zur Überbrückung der Engpässe bis 2025 schlägt der Physiker neben der Stilllegung von einzelnen Atomkraftwerken vor, die militärischen Uranreserven der USA und Russlands von rund 500'000 Tonnen waffenfähigem Uran anzuzapfen.

Uranvorräte geheim gehalten

Genaue Zahlen über Uranlager sind indes nicht öffentlich. Viele Länder würden ihre Vorräte der IAEA nicht mitteilen, wirft der ETH-Rohstoffgeologe Christoph Heinrich ein. Er zweifelt deshalb daran, dass eine mögliche Uranknappheit und Preisanstiege auf erschöpfte Lager zurückzuführen sind. Vielmehr seien die Gründe politischer und wirtschaftlicher Art.

So hätten sich Voraussagen zur Verknappung von mineralischen Rohstoffen bislang immer als falsch herausgestellt, da sie die geologische Exploration vernachlässigen. Es seien mit grosser Wahrscheinlichkeit noch grosse geologische Vorräte vorhanden, ihr Abbau sei eine politische Entscheidung. "Vielleicht wartet China ja auch gerne auf die erwarteten Preisanstiege", mutmasst Heinrich.

Er kommt zum gegenteiligen Fazit wie Dittmar: "Uranverknappung ist kaum der limitierende Faktor für die Zukunft der Kernenergie." Nur drei Prozent der Kosten zur Stromerzeugung entfallen auf den Rohstoff Uran. Bei Kohlenkraftwerken hingegen schlage der Brennstoff mit 30 Prozent zu Buche, bei Gasturbinen mit 60 Prozent.

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SDA-ATS