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Faire Lohnsysteme sollten beispielsweise berücksichtigen, wie ein Manager sich im Vergleich zur Branche geschlagen hat. (Symbolbild)

KEYSTONE/ANTHONY ANEX

(sda-ats)

Der Lohn, den Manager beziehen, ist weitgehend unabhängig von ihrer Leistung. Das ist die zentrale Erkenntnis einer Studie, die am Sonntag vorgelegt wurde und an welcher der Ökonomieprofessor Ernst Fehr mitgearbeitet hat.

Im Interview mit dem Schweizer Fernsehen SRF und mit der "NZZ am Sonntag" kritisiert der Zürcher Professor für Verhaltensökonomie, dass eine grosse Anzahl von Firmen schlechte Leistung häufig sogar belohnt.

So habe die Studie Pay for Performance Report 2017, an der Fehr mitgearbeitet hat, zutage gefördert, dass es viele Firmen gibt, "bei denen die Entlohnung nach Leistung nicht sehr ausgeprägt oder gar nicht vorhanden ist", sagte Fehr gegenüber der "NZZ am Sonntag".

Und gegenüber SRF führte er aus: "Häufig wird für das Top-Management ein Leistungsindikator verwendet, der nicht die objektive Leistung des Managements erfasst, sondern der durchtränkt ist durch subjektive Einschätzungen, oder der verwendete Leistungsindikator ist einfach falsch".

Aktienkurs ist schlechter Leistungsindikator

Fehrs Kritik zielt ab auf die Anreizsysteme, nach denen Managerlöhne festgelegt werden. So sei etwa der absolute Aktienkurs eines Unternehmens ein schlechter Leistungsindikator, weil der Aktienkurs von gesamtwirtschaftlichen Schwankungen beeinflusst sei. Faktoren, die eine ganze Branche gleichermassen betreffen, sollten aus dem Leistungsindikator herausgerechnet werden, so Fehr.

"Wir müssen also gesamtwirtschaftliche und konjunkturelle Effekte herausrechnen, damit wir die Leistung des Managers objektiv beurteilen können", sagte Fehr der "NZZ am Sonntag".

Für die Entlohnung ausschlaggebend sollte die effektive Leistung sein: Schwimme der Manager gleich schnell wie seine Konkurrenten in anderen Unternehmen, sei seine Leistung gut, aber im normalen Bereich. "Wenn er aber schneller schwimmt - und zwar ungeachtet der Flut, die allen hilft -, verdient er einen Bonus. Schwimmt er langsamer, sollte dieser tiefer ausfallen", sagte Fehr.

Zum Beispiel von Tidjane Thiam, Konzernchef der Credit Suisse, sagte er, es sei zwar plausibel, dass dieser über 10 Millionen Franken verdiene, obwohl seine Bank 2016 einen Verlust von 2,7 Milliarden Franken ausgewiesen hatte. Denn der Verlust resultiere aus der Zeit der Vorgänger von Thiam.

Boni je nach Performance bewerten

Aber: Irgendjemand müsse für die Verluste, die in der Vergangenheit verursacht wurden, die Verantwortung übernehmen. "Die CS muss sich die Frage stellen, wer oder welche Gruppe das sein soll", sagte Fehr.

Deshalb plädiert Fehr für langfristige Boni, die den Managern für mehrere Jahre zugeteilt werden und in den Folgejahren nicht automatisch ausbezahlt werden. Solche Boni müssten "Jahr für Jahr aufgrund der jeweils erzielten Performance auf- oder abgewertet werden".

Das System, das Fehr vorschlägt, "beruht auf objektivierbaren Leistungsindikatoren, die leicht nachvollziehbar und kommunizierbar sind". Fehrs Vorschläge zielen demnach auf Transparenz.

Demgegenüber ist "in vielen Unternehmen das Entschädigungssystem so kompliziert geworden, dass man jeweils ganz viele Faktoren berücksichtigen muss, die alle diskutierbar sind", so Fehr gegenüber der "NZZ am Sonntag".

Die Studie Pay for Performance Report 2017 wurde vom Beratungsbüro Fehr Advice herausgegeben, das von Ernst Fehrs Bruder Gerhard Fehr geleitet wird.

Ernst Fehr ist Professor an der Universität Zürich und Direktor des UBS International Center of Economics in Society. Fehr gilt laut NZZ-Ökonomenranking als einflussreichster Ökonom in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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SDA-ATS