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Für Russlands Präsident Wladimir Putin ist die heute beginnende WM das nächste Prestige-Projekt. Nicht nur im grössten Land der Welt wird der Fussball bis zum 15. Juli vieles in den Schatten stellen.

Viereinhalb Jahre nach den Olympischen Winterspielen von Sotschi werden die Schlagzeilen in den nächsten Wochen wieder einem sportlichen Grossanlass gehören, der Russland im Vorfeld aus verschiedenen Gründen heftige Kritik eingetragen hat. Zehn Milliarden Euro, soviel wie noch kein anderer Ausrichter, gab der Staat für das Turnier und vor allem dessen Infrastruktur aus. Zyniker würden sagen, das sei eine massive Verringerung im Vergleich mit Sotschi 2014. Die Durchführung der Winterspiele hatte 51 Milliarden und damit so viel wie alle 21 vorherigen Ausgaben zusammen verschlungen.

Glaubt man dem Weltverband FIFA, haben sich die Investitionen und die Wahl des Veranstalters gelohnt - Probleme wie die Involvierung in Kriege in der Ukraine oder Syrien und in die Vergiftung eines Spions in Grossbritannien, die angebliche Manipulation der US-Präsidentschaftswahl oder Staats-Doping hin oder her. "Die ganze Welt wird erleben, wie gastfreundlich dieses Land ist und wie die Organisation funktionieren wird", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino vor seiner ersten WM seit der Wahl im Februar 2016. Der Walliser erwartet nichts weniger als die beste WM aller Zeiten.

Gleiche Favoriten wie immer

Aus sportlicher Sicht spricht nichts dagegen. Von den acht Ländern, die sich die 20 WM-Titel aufteilen, ist als einziges der viermalige Weltmeister Italien nicht dabei. Die zwei ansonsten meistdekorierten Nationalmannschaften gehören auch 2018 zu den meistgenannten Favoriten: Rekord-Weltmeister Brasilien, das seinen sechsten Titel anstrebt und Titelverteidiger Deutschland (4) wurden genannt. Dazu wird auch Spanien oder Frankreich (je 1) zugetraut, am Abend des 15. Juli im Moskauer Luschniki-Stadion die Endausmarchung um die knapp 37 Zentimeter hohe und rund 6,2 Kilo schwere Trophäe bestreiten zu können.

Allein aus historischen Gründen ist davon auszugehen, dass nach 64 Spielen ein Team aus Europa oder Südamerika als Weltmeister feststehen wird. Die beiden Kontinente teilen sich die 20 WM-Titel mit 11:9 ziemlich redlich, abgesehen von 1930 (Uruguay - Argentinien) und 1950 (kein Final) stand stets mindestens ein europäisches Team im Endspiel. Teams aus den anderen Zonen haben es noch nie in einen Final geschafft. Ob dies just heuer ändern wird, darf stark bezweifelt werden.

Wenig Hoffnung für den Gastgeber

Welche Rolle das Gastgeberland im Heimturnier spielen wird, bleibt abzuwarten. Aufgrund der Resultate und insbesondere der Leistungen in der langen Vorbereitung ohne Ernstkampf machen sich die Einheimischen nicht sonderlich viel Hoffnung. "Portugal hofft auf Ronaldo, Frankreich auf Pogba und Brasilien auf Neymar. Nur wir hoffen auf ein Wunder", witzelte die Zeitung "Moskowski Komsomolez". Selbst Präsident Putin macht nicht auf Zweckoptimismus. "Leider hat unsere Sbornaja in jüngster Zeit keine grossen Ergebnisse erbracht." Für Russland, das die WM am Donnerstag um 17 Uhr mit der Partie gegen Saudi-Arabien eröffnen wird, kann es eigentlich nur besser werden.

Für Farbtupfer will das Schweizer Nationalteam sorgen. Die Qualifikation für Endrunden ist mittlerweile Standard, mit Ausnahme der EM 2012 hat die SFV-Auswahl seit 2004 keines der acht grossen Turniere verpasst. Der grosse Coup fehlt aber noch. Bei der elften WM-Teilnahme soll er, wenn alles nach Papierform läuft, nach Überstehen der Vorrunde in der Gruppe E mit Brasilien, Serbien und Costa Rica im Achtelfinal gegen Deutschland folgen.

Drei Premieren

Neben Island, dem kleinsten WM-Teilnehmerstaat aller Zeiten, und Panama, den Debütanten Nummern 78 und 79, feiert in Russland eine technologische Neuerung ihre mit Spannung erwartete Feuertaufe an einem grossen Turnier. Der Video Assistant Referee, kurz VAR, soll die Schiedsrichter im Milliarden-Geschäft WM vor falschen Entscheiden bewahren. "Wir sprechen von einer Veranstaltung, die nur alle vier Jahre stattfindet. Es geht um Millionen. Ein einziger Fehler kann einen immensen Schaden verursachen", sagte der Tessiner FIFA-Schiedsrichterchef Massimo Busacca in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Zum Einsatz soll der Videobeweis bei vier Arten von Urteilen kommen: bei Toren, Penaltys, Roten Karten oder Verwechslungen nach Verwarnungen oder Restausschlüssen. Gerade die ersten Erfahrungen in den grossen europäischen Ligen (Bundesliga und Serie A) haben aber gezeigt, dass die Fehlerquote durch den VAR (noch) nicht auf dem gewünscht tiefen Niveau gehalten werden konnten. Zu Diskussionen wird es also womöglich auch an der WM kommen.

Längst geregelt ist derweil die finanzielle Abgeltung der Mannschaften. Die FIFA schüttet 791 Millionen Dollar aus, was im Vergleich mit der WM 2014 eine Steigerung um 40 Prozent bedeutet. 400 Millionen Dollar erhalten die Teams in Form von Preisgeld. Der Weltmeister wird 38 Millionen einstreichen, der Finalist 28. Dazu entschädigt die FIFA die Länder für die Vorbereitung sowie die Klubs für das Abstellen der Spieler an die WM und allfällige Verletzungen der Akteure grosszügig.

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SDA-ATS