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Der Prozess gegen den als Whistleblower bekannt gewordenen Rudolf Elmer ist am Montag vor dem Zürcher Bezirksgericht fortgesetzt worden. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren, die Verteidigung einen Freispruch. Das Urteil wird in einer Woche eröffnet.

Der Staatsanwalt verlangt eine Verurteilung wegen Verletzung des Bankgeheimnisses und Urkundenfälschung. Zudem fordert er ein maximales Berufsverbot. Elmer habe bereits in den Jahren 2007 und 2008 die Internet-Enthüllungs-Plattform WikiLeaks mit geheimen Daten der Bank Julius Bär beliefert, sagte der Ankläger.

Der ehemalige Bankangestellte habe mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück Kontakt aufgenommen, um über Steuer-Sünder zu informieren. 2011 hatte Elmer laut Anklage zudem an einer Pressekonferenz in London WikiLeaks-Chef Julian Assange zwei CDs mit den Daten von rund 2000 Kunden übergeben.

"Er ist ein normaler Verräter", sagte der Staatsanwalt und lastete Elmer "eigensinnige Selbstjustiz" an. Der selbstgefällige Beschuldigte habe den Deckmantel des Whistleblowers und Gutmenschen angezogen. In Wahrheit führe er aber eine endlose Fehde gegen seine frühere Arbeitgeberin, die Bank Julius Bär.

"Anklage beruht auf Vermutungen"

Die Verteidigung verlangt einen vollen Freispruch. Ein Teil der Delikte sei bereits verjährt, sagte die Anwältin des 59-Jährigen. Zudem habe Elmer auf den Cayman-Inseln gar nicht als Angestellter einer Schweizer Bank gegolten. Deshalb komme das Schweizer Recht nicht zur Anwendung.

Die Anklage beruhe auf puren Vermutungen, betonte die Verteidigerin. Elmer habe Julian Assange lediglich leere CDs übergeben. Zudem seien die angeblich übermittelten Bankdaten von den Untersuchungsbehörden nicht verifiziert worden. Wegen der Untersuchungshaft von 188 Tagen fordert die Anwältin für Elmer eine Genugtuung von 37'600 Franken.

Das Gericht kam am Montag noch zu keinem Entscheid. Das Urteil soll in einer Woche eröffnet werden. Da nur die Parteivorträge auf dem Programm standen, musste Elmer nicht mehr aussagen. Mitte Dezember war der Beschuldigte nach der Befragung im Gericht zusammengebrochen und musste ins Spital gebracht werden. Der Prozess wurde daraufhin verschoben.

Bereits im Vorfeld jenes Gerichtstermins hatte der ehemalige Banker gesundheitliche Probleme geltend gemacht. Daraufhin wurde er begutachtet. Das Gutachten bescheinigte schliesslich, dass Elmer "knapp verhandlungsfähig" sei.

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SDA-ATS