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Wikileaks-Informant Bradley Manning ist in 19 von 21 Anklagepunkten für schuldig erklärt, im am schwersten wiegenden Anklagepunkt jedoch überraschend freigesprochen worden. Das US-Militärgericht in Fort Meade erklärte den Obergefreiten im Punkt "Unterstützung des Feindes" (aiding the enemy) für nicht schuldig.

Mit dem Schuldspruch vom Dienstag droht dem 25-jährigen Manning mehr als 100 Jahren Gefängnis - laut der Enthüllungsplattform Wikileaks eine Höchststrafe von 136 Jahren. Eine Mindeststrafe für die Anklagepunkte gibt es nicht.

Für schuldig befand Richterin Denise Lind den Angeklagten unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls. Die Beratungen über das Strafmass sollen am Mittwoch beginnen, es soll voraussichtlich noch im August verkündet werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits vor dem Prozess darauf verzichtet, bei einem Schuldspruch im Hauptanklagepunkt "Unterstützung des Feindes" für Manning die Todesstrafe zu fordern. Bei einem Schuldspruch in diesem Punkt hätte Manning deshalb lebenslange Haft gedroht.

Dokumente über Irak und Afghanistan

Unter den Dokumenten zu den Kriegen in Afghanistan und dem Irak, die Manning Wikileaks zuspielte, war auch die Video-Aufzeichnung der Besatzung eines US-Kampfhelikopters, die auf einer Strasse in Bagdad offenbar mutwillig eine Gruppe unbewaffneter Iraker erschiesst.

Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurden. Ausserdem übermittelte Manning Wikileaks mehr als 250'000 vertrauliche diplomatische Depeschen.

Für die Staatsanwaltschaft sowie Teile von Politik, Medien und Öffentlichkeit ist Manning ein Verräter, der mit den Enthüllungen sensibler Dokumente bewusst seinem Land schaden wollte. Für seine Unterstützer dagegen ist der junge Soldat ein mutiger Kämpfer für Transparenz, der mit seinen Enthüllungen über Kriegsverbrechen im Irak und Afghanistan zur öffentlichen Debatte über die Kriegseinsätze beitragen wollte. Seine Verteidigung schilderte ihn zuletzt als "jungen, naiven und wohlmeinenden Bürger".

Unterschiedliche Reaktionen

Nathan Fuller, der den Prozess für das Unterstützernetzwerk "Bradley Manning Support Network" beobachtete, zeigte sich überrascht und erleichtert angesichts des Freispruchs im am schwersten wiegenden Anklagepunkt. Trotzdem sei es ungeheuerlich, dass Manning möglicherweise Jahrzehnte im Gefängnis verbringen müsse.

Wikileaks verurteilte den Schuldspruch von Manning. Dies zeige den "gefährlichen, nationalen Sicherheitsextremismus der Regierung" von Präsident Barack Obama, schrieb die Organisation auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Urteil ist Präzedenzfall

Das Verfahren in Fort Meade bei Washington ist der erste grosse Prozess gegen einen sogenannten Whistleblower in den USA und könnte als Präzedenzfall für weitere Enthüller dienen, darunter Wikileaks-Chef Julian Assange und den von den USA als Geheimnisverräter gejagten Computerspezialisten Edward Snowden. Der Schuldspruch sei "ein sehr ernstzunehmender Musterfall über die Weitergabe von Informationen an die Medien", schreibt Wikileaks.

Der seit zwei Monaten laufende Militärprozess bei Washington fand unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Bewaffnete Soldaten hatten Journalisten zuletzt durchsucht und streng kontrolliert, ob aus dem laufenden Verfahren berichtet wurde.

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SDA-ATS