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Zehntausende demonstrieren in Berlin gegen Rassismus

Rund 242'000 Menschen sind in Berlin zu einer Demonstration gegen Rassismus bis Samstagnachmittag gekommen.

KEYSTONE/AP/MARKUS SCHREIBER

(sda-ats)

Kraftvolles Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit: Zu einer der grössten Demonstrationen gegen Rassismus und Ausgrenzung der vergangenen Jahre sind in Berlin nach Veranstalterangaben etwa 240'000 Menschen gekommen.

Diese Zahl übertrifft bei Weitem die angemeldeten 40'000 Teilnehmer. Die Polizei wollte dazu keine eigenen Angaben machen, sondern sprach lediglich von "einigen Zehntausend" Menschen.

Im Zentrum der Hauptstadt bot sich ein buntes Bild: Sowohl junge als auch ältere Teilnehmer waren dem Aufruf der Initiatoren gefolgt, darunter auch viele Eltern, die ihre Kinder mitbrachten.

Unter dem Motto "Für eine offene und freie Gesellschaft - Solidarität statt Ausgrenzung" hatte das Bündnis "#Unteilbar" zu dem Protest aufgerufen. Er richtete sich gegen rechte Hetze, Diskriminierung, das Flüchtlingssterben auf dem Mittelmeer und Kürzungen im Sozialsystem.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 900 Beamten im Einsatz und berichtete bis zum späten Nachmittag von keinen grösseren Zwischenfällen.

"Wir sind wahnsinnig zufrieden mit der Resonanz", sagte Felix Müller von der Initiative "Unteilbar". Dies bestätige, dass viele Menschen ein Zeichen gegen rechts und für Solidarität hätten setzen wollen.

Transparente, Plakate und Luftballons

Die Demonstration begann am Alexanderplatz, von dort zog sich der kilometerlange Zug langsam über die Leipziger Strasse, den Potsdamer Platz und zum Brandenburger Tor und weiter zur Siegessäule. Viele Menschen hatten Transparente, Plakate und Luftballons dabei.

Unter anderem war zu lesen "Nein zur Hetze gegen Muslime" und "Rassismus ist keine Alternative". Ein riesiges Transparent trug die Aufschrift "Solidarität mit den Opfern rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt".

"Wir sollten nicht zu Hause bleiben und zuschauen, sondern auch auf die Strasse gehen", sagte ein 54-jähriger Teilnehmer aus Brandenburg. Eine Mutter und ihre Tochter aus Berlin fühlten sich von der überwältigenden Teilnahme gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft ermutigt.

Böhmermann und Grönemeyer vor Ort

Zahlreiche Organisationen, Verbände und Parteien unterstützten den Aufruf, darunter Prominente wie der Schauspieler Benno Fürmann, der Fernsehmoderator Jan Böhmermann und die Band Die Ärzte. Für den Ausklang der Demonstration waren Auftritte prominenter Musiker wie Herbert Grönemeyer geplant.

Etliche Organisationen und Parteien waren mit eigenen Wagen vertreten, darunter das gesellschaftliche Bündnis Attac, die Grünen und die Linke.

Aussenminister Heiko Maas nannte es ein grossartiges Signal, dass so viele auf die Strasse gehen. "Wir lassen uns nicht spalten - von rechten Populisten schon gar nicht", sagte Maas den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag).

Kritik an "dubiosen Organisationen"

Dagegen unterstützte die Berliner CDU die Demonstration ausdrücklich nicht. Zur Begründung wies ihr Generalsekretär Stefan Evers darauf hin, dass der Anmelder ein Anwalt der "Roten Hilfe" sei, einer Organisation, die "linksextremistische Verbrecher" unterstütze. Zudem werde die Aktion "von vielen anderen dubiosen Organisationen" mitgetragen.

Auch in anderen deutschen Städten gab es am Samstag Aktionen gegen Rechts, Abschiebungen und für Solidarität mit Flüchtlingen. Unter dem Motto "Wir sind mehr" demonstrierten etwa in Frankfurt einige Tausend Menschen auch gegen die AfD.

In Hessen wird in zwei Wochen ein neues Landesparlament gewählt. In Karlsruhe gingen rund 2000 Menschen "gegen nationalistische und rassistische Hetze" auf die Strasse.

Die Aktion geht auf die Initiative 13-10 des in München lebenden Schweizer Schriftstellers Jonas Lüscher und des österreichischen Philosophen Michael Zichy zurück, um gegen Nationalismus und den drohenden Zerfall Europas ein Zeichen zu setzen.

Fünf Millionen Europäerinnen sollten an diesem Samstag in den Hauptstädten und anderen Metropolen Europas ihre Stimme erheben. Aufgerufen wurde auch zu Kundgebungen in Zürich und Basel.

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