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Zeitungskommentare nehmen Blatter in die Verantwortung

Dieser Inhalt wurde am 28. Mai 2015 - 05:27 publiziert
(Keystone-SDA)

Am Tag nach der Festnahme von sieben FIFA-Funktionären in Zürich rücken die Kommentatoren der Schweizer Zeitungen eine Person in den Fokus: Präsident Sepp Blatter. Bei ihm, so sind sie sich einig, liegt die Verantwortung.

"Wenn Blatter den Fussball so sehr liebt, wie er immer wieder betont, dann gibt es nur eins: Er sucht ab sofort und konsequent seinen Nachfolger. Und er gibt nach seiner Wiederwahl bekannt, dass er nicht mehr vier Jahre lang auf dem Thron kleben bleiben will", schreibt der Blick am Donnerstag.

Die jüngsten Ereignisse würden "die absehbare Wiederwahl Blatters negativ färben. Doch mit diesem Kollateralschaden muss er leben, schliesslich trägt er die Verantwortung für jene Kultur, die er in seiner überlangen Amtszeit zumindest geduldet hat", kommentiert die Neue Zürcher Zeitung.

"In keiner anderen Geschäftswelt wäre Blatter noch tragbar. Bei der FIFA aber darf er jetzt den Erneuerer spielen. Ab morgen Freitag vermutlich für weitere vier Jahre. Das sagt alles aus über diesen Verband", heisst es im Tages-Anzeiger und im Bund.

"Der 79-jährige Walliser ist amtierender Weltmeister im Aussitzen von Krisen. (...) In jedem anderen Unternehmen hätte Blatter längst den Hut nehmen müssen. Weil er als Chef über einer Organisation thront, die jede Glaubwürdigkeit längst verspielt hat. Wenn es ihm tatsächlich nur um den Geist des Fussballs gehen würde, hätte er den Weg längst freimachen müssen. Aber ihm geht es um Macht", schreibt die Basler Zeitung.

"So ist die Hoffnung klein, dass ausgerechnet dieser jüngste Skandal die verkrusteten Strukturen aufbrechen könnte. Das hängt auch damit zusammen, dass weit und breit niemand in Sicht ist, der dem allmächtigen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter dessen Platz streitig machen könnte. Von sich aus abtreten wird Blatter nicht", prophezeit die Berner Zeitung.

"Die FIFA ist in keinster Weise das Opfer. Korruption ist ein imminenter Teil des Systems, das Blatter erschaffen hat", heisst es im Kommentar auf watson. "Es könnte einsam werden um Joseph S. Blatter. Die fünfte Amtszeit, die er aus Machtgier angestrebt hat, könnte sich als die eine zu viel erweisen."

Dieser Verband mit seinen Milliarden-Versuchen sei "zur Selbstreinigung offensichtlich nicht in der Lage", kommentiert die Neue Luzerner Zeitung. "Zwar hatte man schliesslich, auf enorm grossen Druck hin, eine Ethikkommission auf die Beine gestellt. Doch von voller Transparenz wollte Blatter weiterhin nichts wissen."

"Wie kann Blatter als langjähriger Präsident der FIFA sagen, er habe mit all diesen Vorgängen, die nun endlich an die Öffentlichkeit kommen, nichts zu tun?", fragt das St. Galler Tagblatt. Demnach bleiben nur zwei Schlussfolgerungen: "Entweder hat Blatter die FIFA nicht im Griff, oder er ist - in welcher Form und in welchem Grad auch immer - Teil dieses System und profitiert davon."

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