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(Neu: Verhandlungen sollen nächste Woche zum Abschluss kommen)
FRANKFURT/NEW YORK (awp international) - Die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der New York Stock Exchange weckt grosse Hoffnungen. Politiker, Händler, Analysten und Anlegerschützer äusserten sich am Donnerstag überwiegend positiv zu den Plänen. Nur gemeinsam, so der Tenor, lasse sich die Konkurrenz in Schach halten. Denn alternative Handelsplattformen und rasant wachsende Börsen in Asien machen den etablierten Häusern das Leben schwer. Schon in der kommenden Woche könnte der Zusammenschluss perfekt gemacht werden. Allerdings können die Aufsichtsbehörden noch in letzter Sekunde querschiessen.
"Zusammen mit New York geht an Frankfurt am Main kein Weg mehr vorbei", sagte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Sie sieht den Finanzplatz gestärkt aus der Fusion hervorgehen. Denn kommt es zum Zusammenschluss, werden die Anteilseigner der Deutschen Börse bis zu 60 Prozent des Gesamtunternehmens kontrollieren und halten damit das Heft in der Hand. Auch die Anlegerschützer geben unter diesen Voraussetzungen Rückendeckung: "Wir unterstützen das Vorhaben der Deutschen Börse, den Konsolidierungsprozess in der Branche aktiv voranzutreiben", erklärte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
FORTGESCHRITTENE FUSIONSVERHANDLUNGEN
Die beiden Börsenbetreiber hatten am Mittwoch erklärt, sie befänden sich in "fortgeschrittenen Fusionsverhandlungen". Es ist bereits der zweite Anlauf für eine Fusion mit der NYSE Euronext , die neben den USA auch ein starkes Standbein in Europa hat. Wenn sich die beiden Unternehmen zusammentun, entsteht ein Branchengigant mit Handelsplätzen in Frankfurt, New York, Amsterdam, Paris, Lissabon, Brüssel und London. Nirgendwo anders auf der Welt würde mehr gehandelt.
Der Finanzdienstleister Bloomberg rechnete aus, dass die gelisteten Unternehmen einen Wert von mehr als 20 Billionen Dollar hätten und 36 Prozent des kompletten Aktienhandels über den neuen Konzern liefen. Zudem hätte die Megabörse ein starkes Standbein im höchst lukrativen Derivatemarkt. Dabei handelt es sich um abgeleitete Finanzprodukte, etwa Wetten auf die Preisentwicklung bei Rohstoffen. Die beiden Seiten wollen durch den Zusammenschluss jährlich 300 Millionen Euro an Kosten einsparen, etwa durch eine Verzahnung der komplexen Computersysteme.
ZUSTIMMUNG AUS DER BRANCHE
"Ich persönlich finde den Schritt gut", sagte Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade. "Er ist notwendig, um der wachsenden Konkurrenz aus Asien die Stirn bieten zu können." Gerade will die Börse in Singapur die Börse in Sydney übernehmen. Die Börse in Hongkong erklärte am Donnerstag, auch sie denke über mögliche Fusionen nach. Angesichts dessen bekommt die angepeilte deutsch-amerikanische Fusion auch den Segen der Analysten. "Ein attraktiver Deal, der auch strategisch sinnvoll ist", urteilte Arnaud Giblat von der Schweizer Bank UBS .
"Wir brauchen Zusammenschlüsse", sagen auch die Händler in New York. Ihr Sprachrohr "Wall Street Journal" stellte allerdings leicht wehmütig fest: "Für New York ist der Schritt ein Symbol für die schwindende Dominanz auf der Weltbühne." Immerhin soll nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX der Aktienhandel von der US-Metropole aus gesteuert werden. Das lukrativere Derivategeschäft sowie die Abwicklung und Verwahrung von Wertpapieren würden voraussichtlich von Frankfurt aus geführt werden, hiess es aus US-Finanzkreisen.
AKTIENKURSE STEIGEN
Die Anleger feierten die Aussicht auf die Fusion: Die Aktie der NYSE Euronext stieg am Mittwoch in New York um rund 14 Prozent, gab am Donnerstag aber wieder leicht nach. Die Papiere der Deutschen Börse legten am Donnerstag um 3 Prozent zu.
Querschiessen bei dem transatlantischen Zusammenschluss könnten allerdings noch die Aufsichtsbehörden. "Aus politischer Sicht hat der Trend zu immer grösseren wirtschaftlichen und systemrelevanten Unternehmen zuletzt in der Finanzmarktkrise erhebliche Probleme verursacht", sagte Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Seinem Ministerium ist die hessische Börsenaufsicht unterstellt, die eine Fusion verbieten kann. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Börsenhandel in Frankfurt in vollem Umfang erhalten bleibt oder sogar wächst", verprach der FDP-Politiker. "Dann werden auch die Arbeitsplätze in Frankfurt bleiben."
Am Dienstag tagt der Aufsichtsrat der Deutschen Börse. Am Markt wird von einer Zustimmung des Kontrollgremiums zur Fusion ausgegangen. Dem Vernehmen nach sollen auch bei der NYSE Euronext die Verhandlungen in der kommenden Woche zum Abschluss kommen, so dass der Weg zum weltgrössten Börsenverbund geebnet wäre./das/ck/mmb/dct

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