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LONDON/BENGASI (awp international) - Nach der Ölpest im Golf von Mexiko will der Energiekonzern BP die nächste Tiefseebohrung im Mittelmeer vor der Küste Libyens starten. "Die Bohrungen werden in wenigen Wochen beginnen", sagte BP-Sprecher David Nicholas am Samstag der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times". Die Quelle soll spätestens in einem halben Jahr erschlossen sein. In dem Feld soll es grosse Mengen Erdöl und bis zu 850 Millionen Kubikmeter Erdgas geben. Der Energiekonzern wies Sicherheitsbedenken über die neue Tiefseebohrung zurück.
Die Bohrung erfolgt in der Mittelmeerbucht Grosse Syrte. Etwa 200 Kilometer westlich der Hafenstadt Bengasi liegt die Quelle in rund 1750 Metern Tiefe. Damit wird dort 250 Meter tiefer nach den beiden Energierohstoffen gebohrt als bei der Tiefseebohrung im Golf von Mexiko. In dem Randmeer löste die Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April mit elf Toten die andauernde Ölpest aus, die grösste Naturkatastrophe vor der US-Küste.
Zwischen den beiden Bohrfeldern gebe es allerdings keine Parallelen, betonte BP-Sprecher Nicholas. Hohe Sicherheitsstandards seien vor Libyen gewährleistet. "Wir haben weltweit viele Bohrungen durchgeführt und dort nun zusätzliche Vorsichtsmassnahmen getroffen, darunter eine vollständige Kontrolle der Ölbohrplattform vom Typ "Noble", die wir nutzen werden." Die Quelle ist laut BP in einer Gesteinsformation mit geringer Durchlässigkeit eingeschlossen.
Die Rechte für die Erschliessung der Ölquelle hatte BP vor drei Jahren von Libyen für 900 Millionen Dollar (675 Mio Euro) gekauft. BP-Chef Tony Hayward bezeichnete den Deal als bis dahin grösste Einzelinvestition. Der Konzern bestätigte, der britischen Regierung unter Premierminister Tony Blair damals zu einer schnellen Einigung über einen Gefangenenaustausch geraten zu haben.
Die USA werfen BP vor, die vorzeitige Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi vor einem Jahr vorangetrieben zu haben, um das Millionengeschäft zu starten. Al-Megrahi wurde wegen einer Krebserkrankung im Endstadium von den Schotten begnadigt. Zur Begründung hiess es damals, seine Tage seien gezählt. Er lebt heute in seiner Heimat. Bei dem Flugzeug-Attentat nahe dem schottischen Lockerbie waren 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 189 US-Bürger.
BP hatte seine Ölgeschäfte in Libyen 1971 einstellen müssen, weil Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi die britischen Besitztümer verstaatlichte. BPs Partner bei der neuen Quelle ist die staatliche Libyan Investment Corporation, die 15 Prozent der Erträge bekommt./dö/DP/he

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