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Zürich (awp/sda) - Energieministerin Doris Leuthard warnt davor, in der Atomdebatte "unreflektierte Forderungen" aufzustellen. Ein Umstieg von der Atomenergie auf erneuerbare Energien wäre "eine gewaltige Anstrengung", sagte sie am Samstag an der DV der CVP-Frauen in Zürich.
Zwar räumte Leuthard in ihrer Rede ein, gewisse Risiken der Atomenergie seien vielleicht "tatsächlich unterschätzt" worden. Sie wolle jedoch Fakten und Konzepte abwarten, um "faktenbasiert" darüber zu diskutieren, was eine Zukunft ohne Atomenergie für die Stromversorgung in der Schweiz bedeuten würde.
Denn - so die Vorsteherin des Umwelt, Verkehrs- und Energiedepartements (UVEK) - heute würden in der Schweiz lediglich 5,7% des gesamten Energiekonsums über erneuerbare Energien gedeckt. Der Anteil der Windenergie liege bei 0,04%, jener der Solarenergie bei 0,13% und jener der Energie aus Abfällen bei 0,47%.
Diesen Anteil verfünffachen zu wollen, würde laut Leuthard eine gewaltige Anstrengung bedeuten. "Ich sage nicht, dass das unmöglich ist" - doch es gebe Zielkonflikte. Sie verwies auf Wind- und Wasserkraftprojekte, die aus Gründen des Landschaftsschutzes blockiert wurden. "Ich hoffe, dass man diese Zielkonflikte jetzt in einem anderen Kontext diskutieren und pragmatisch lösen kann."
Die Schweiz habe in der Vergangenheit "nicht wenig" für erneuerbare Energien gemacht, entgegnete Leuthard am Rande der DV auf Journalistenfragen. Widerstände und Verfahrensprobleme hätten aber dazu geführt, dass Projekte auf der Strecke geblieben seien.
Die Schweiz habe 40 Jahre lang gut mit der Atomenergie gelebt, und im Moment seien alle Schweizer AKW sicher. Die einzige offene Frage sei die, ob die Ausrichtung der Schweizer Werke auf Erdbeben der Stärke 7 noch sicher sei.
Energieministerin Doris Leuthard war bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat Verwaltungsrätin der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg, die einen namhaften Anteil am AKW Leibstadt hält und mit dem Stromkonzern Axpo im Stromhandel tätig ist.
Leuthard hatte am Montag die Rahmenbewilligungsgesuche für Ersatz-AKW sistiert. Zudem unterzieht das Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI die bestehenden AKW einer vorzeitigen Untersuchung. Erste Erkenntnisse müssen bereits Ende März vorliegen.
Die CVP-Frauen verzichteten angesichts der Katastrophe in Japan darauf, über ihre Strategien für die Wahlen im Herbst zu diskutieren. "Unsere Anliegen treten völlig in den Hintergrund", sagte Präsidentin Babette Sigg Frank. Stattdessen gedachten die Delegierten in einer Schweigeminute der Opfer von Erdbeben und Tsunami.

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