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Bern/Paris (awp/sda) - Die Schweiz hat die globale Rezession gemäss der OECD bislang besser überstanden als manch anderer OECD-Staat. Damit es so weitergeht, findet die Organisation unter anderem eine bessere Aufsicht über den Finanzsektor nötig.
Die relativ erfolgreiche Zwischenbilanz führt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem am Freitag veröffentlichten Bericht namentlich auf einige Schweizer Exportbranchen zurück. Die Pharma- und Medizinaltechnikindustrie seien beispielsweise wenig konjunkturempfindlich.
Auch profitierte die Schweiz von ihren stabilen Kredit- und Immobilienmärkten. Auf dem Häusermarkt hatte sich keine Spekulationsblase gebildet, und die inländischen Banken vergaben Kredite wie gewohnt.
Die "sehr gute" Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) trug laut der OECD zum Erfolg bei, ebenso die Rettungsaktion des Bundes für die Grossbank UBS. Dennoch: Die Schweiz werde lange an der Krise zu leiden haben, hält die OECD fest, nicht zuletzt wegen der steigenden Arbeitslosigkeit.
Die Nationalbank habe nun eine knifflige Aufgabe: Sie müsse vorerst den Zins tief halten und auch ihre andere Instrumente weiterhin einsetzen; Sobald der Aufschwung einsetzt, gelte es aber die viele Liquidität wieder abzuschöpfen.
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt stelle sich auch der Politik: Mittelfristig müssten Bund und Kantone ihre Ausgaben wieder senken, mahnt die Organisation.
Verringern sollte die Schweiz aus Sicht der OECD auch das Klumpenrisiko, welches die beiden Grossbanken für die Wirtschaft bilden: Es brauche Verfahren, wie die Institute im Krisenfall aufgelöst werden könnten. Zudem sollten die Eigenkapitalvorschriften für die UBS und CS noch höher sein, als es der Bund erst kürzlich angeordnet hat, finden die OECD-Ökonomen.
Die Aufsicht soll schlagkräftiger werden: Die Finanzmarktaufsicht (FINMA) und die Nationalbank müssten enger mit den Pendants anderer Länder zusammenarbeiten. Die FINMA sollte überdies mehr Personal erhalten und systemische Risiken bei ihren Modellen stärker berücksichtigen, heisst es im Bericht.
Der für die Schweiz sehr wichtige Finanzsektor werde in den nächsten Jahren wohl nicht mehr wachsen, glaubt die OECD. Nicht zuletzt deshalb seien Reformen nötig.
So sollte die Schweiz ihre im OECD-Schnitt mittelmässige Arbeitsproduktivität verbessern, also die Wirtschaftsleistung pro gearbeitete Stunde. Ursache ist demanch unter anderem der geringe Wettbewerb in einigen abgeschirmten Branchen, was zum hohen Schweizer Preisniveau führe.
Potential brach liegt demnach auch bei der Bildung: Obwohl die OECD dem Bildungssystem viel Gutes abgewinnt, bemängelt sie unter anderem die Förderung von Schülerinnen und Schülern aus einfachen sozialen Verhältnissen oder mit ausländischen Eltern. Auch sollten mehr Personen eine Hochschulbildung absolvieren, findet die Organisation.
mk

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