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CH/Swisscanto-Umfrage: Pensionskassen haben Krise noch nicht verdaut (AF)

Dieser Inhalt wurde am 18. Mai 2010 - 16:36 publiziert

Zürich (awp/sda) - Die Schweizer Pensionskassen haben die Finanzkrise noch nicht ganz verdaut. Die alarmierende Unterdeckung von zwei Dritteln aller Pensionskassen vor einem Jahr ist Geschichte, doch noch sind die Deckungsgrade der Boom-Jahre vor der Finanzkrise unerreicht, zeigt die Pensionskassenumfrage von Swisscanto.
Die Unterdeckung von Vorsorgeeinrichtungen, die an der Umfage der Fonds- und Anlagetochter der Kantonalbanken teilnahmen, ist 2009 im Schnitt von 92 auf 97% gestiegen. Bei den privaten Kassen lag der Deckungsgrad Ende 2009 bei 103%, momentan dürfte er bei etwa 106% liegen.
Bei mehr als 85% der privaten Einrichtungen seien die Ansprüche der Versicherten mit über 100% gedeckt, erläuterte Vorsorgespezialist Othmar Simeon am Dienstag bei der Präsentation der Ergebnisse in Zürich.
Dafür waren von den öffentlich-rechtlichen Kassen immer noch drei Viertel in der Unterdeckung. Der Deckungsgrad der öffentlichen Kassen war Ende 2009 im Schnitt bei 90%. Nach amtlichen Angaben klafft bei diesen Einrichtungen ein Finanzierungsloch von 43 Mrd CHF.
Befragt wurden 278 Vorsorgeeinrichtungen, unter ihnen viele sehr grosse Pensionskassen. Sie stehen laut Swisscanto für 60% der BVG-Versicherten.
Obwohl sich 2009 die Börsen erholten und so die angelegten Guthaben der Versicherten wieder stiegen, fehlt noch einiges bis zu den Höchstständen von 2005 bis 2007. Damals betrugen die Deckungsgrade im Schnitt über 100 Prozeht, bei den privaten Kassen gar klar über 110%. Ideal sind laut Swisscanto mindestens 115%.
Damit wären auch die Polster robust genug. Denn eine Achillesferse der Vorsorgeeinrichtungen bleiben auch angesichts der älter werdenden Bevölkerung die knappen Reserven: Nach den Swisscanto-Daten verfügte Ende 2009 nur jede zehnte private Pensionskasse über ein genügend grosses Polster.
Einen wesentlich geringeren Beitrag zur Erholung der Deckungsgrade lieferten laut Swisscanto aktive Stabilisierungsmassnahmen, die allerdings den versicherten Arbeitnehmen einiges abverlangten: 42% der befragten Kassen hätten sich 2009 zur Sanierung entschlossen, so der Bericht.
Ende 2009 hatten 75% der Kassen in Sanierung die Verzinsung gesenkt, die damit in der Swisscanto-Statistik die häufigste Massnahme ist. Bei einem Drittel davon läuft die Reduktion der Verzinsung 2010 weiter.
Zweithäufigste Massnahme waren Sanierungsbeiträge der Arbeitgeber: 58% der Kassen griffen zu dieser Massnahme, während 48% die Angestellten zur Kasse baten. 38% schränken die Möglichkeit ein, Pensionsgelder vorzeitig für Wohneigentum zu beziehen.
Viele Kassen hätten die Stabilisierungsmassnahmen dank der verbesserten Börsen-Situation noch 2009 abschliessen können. Anlagerisiken bestünden aber weiter, warnt Swisscanto: Nach den absackenden Aktienkursen bilde nun die Schuldenkrise vieler Staaten eine neue Herausforderung.
Sicher geglaubte Staatsanleihen würden für die Pensionskassen zum Risiko und die immer noch tiefen Zinsen verbauten erforderliche Renditeziele. Dies zwinge die Kassen logischerweise zu permanent zu relativ hohen Anlagerisiken.
cf

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