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Muttenz (awp) - Der Spezialchemiekonzern Clariant schreibt nicht nur wieder Gewinne, sondern schwenkt auch nach jahrelanger Schrumpfkur auf Expansionskurs zurück. Statt sich nach Abschluss der Restrukturierung eine Phase der Stabilisierung zu gönnen, kauft Clariant den Mitbewerber Süd-Chemie und stürzt sich damit schneller als erwartet wieder in ein neues Abenteuer. Die Dividende wurde dafür erneut gestrichen.
"Die Restrukturierung erkläre ich als abgeschlossen", sagte Clariant-CEO Hariolf Kottmann am Mittwoch vor den Medien. Kottmann bezeichnete 2010 als "Meilenstein in der Geschichte von Clariant" und verwies auf die beste operative Marge seit zehn Jahren. Alle zu Beginn der Restrukturierung definierten Ziele seien erreicht worden. Clariant werde nun auf dem Erreichten weiter aufbauen. Ziel sei profitables Wachstum, um so Mehrwert zu schaffen.
PROFITABELSTES GESCHÄFTSJAHR SEIT EINER DEKADE
Für das vergangene Jahr wies Clariant einen Gewinn von 191 Mio CHF aus, nach einem Fehlbetrag von 194 Mio CHF im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um 8% auf 7'120 Mio CHF. In lokalen Währungen resultierte gar ein Plus von 13%. Dank besserer Auslastung der Kapazitäten, erfolgreichem Preismanagement und Senkung der Produktionskosten sprang der EBIT vor Sondereffekten auf 696 (VJ 270) Mio CHF. Damit lag die entsprechende Marge bei 9,8%.
Der für Clariant wichtige operative Cashflow lag mit 642 Mio CHF unter den 757 Mio des Vorjahreszeitraums. Zum Jahresende konnte die Nettoverschuldung auf 126 Mio CHF, nach 545 Mio CHF per Ende 2009 abgebaut werden. Gleichzeitig erhöhte sich die Cash-Position auf 1'419 (1'140) Mio CHF.
GROSSAKQUISITION
Die Spatzen pfiffen es schon länger von den Dächern - nur so richtig daran glauben wollte niemand: Clariant übernimmt für 2,5 Mrd CHF den deutschen Mitbewerber Süd-Chemie. Das Unternehmen stellt unter anderem Giessereichemikalien, Spezialharze, Batteriekomponenten, Katalysatoren und Schutzverpackungen her. Es handle sich um wachstumsstarke, weniger zyklische Geschäfte als die eigenen, sagte Kottmann.
Auch die Forschungspipeline sei stark und umfasse etwa Materialien für Lithium-Ionen-Batterien und Technologien zur Herstellung von Bioethanol der zweiten Generation. "Damit können wir verstärkt an der globalen Megatrend teilhaben", rechtfertigte er den Kauf. "Das ist kein Abenteuer, sondern ein logischer nächster Schritt bei der Transformation Clariants zu einem innovationsgetriebenen Spezialchemie-Unternehmen."
Süd-Chemie erzielte im letzten Jahr einen Umsatz von 1,225 Mrd EUR und einen um Sondereinflüsse bereinigten EBIT von 100,5 Mio EUR.
Clariant verspricht sich aus der Integration der administrativen Funktionen jährliche Einsparungen von 25 Mio CHF. Die Anwendung des "Clariant Excellence"-Programms bei der neuen Konzerngesellschaft sollte dereinst ein zusätzliches Synergiepotenzial von 60 bis 70 Mio CHF freisetzen.
KAPITALERHÖHUNG UND NEUER GROSSAKTIONÄR
Zur Finanzierung wird Clariant unter anderem eine Kapitalerhöhung über 1,1 Mrd CHF durchführen. Sie dient einerseits der Schaffung neuer Titel für den Aktientausch mit den Familienaktionären von Süd-Chemie (700 Mio CHF) sowie weiteren 400 Mio CHF zur Finanzierung der Transaktion. Nach deren Abschluss werden die ehemaligen Familienaktionäre von Süd-Chemie rund 12-14% der Clariant-Aktien halten.
Im laufenden Jahr rechnet Clariant mit einem stabilen Geschäftsumfeld und Wachstum vor allem in den Schwellenmärkten. Der Umsatz in Lokalwährungen dürfte 2011 im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen und die EBITDA-Marge vor Einmaleffekten steigen.
AKTIE WIRD ABGESTRAFT
Die Übernahme von Süd-Chemie wird an der Börse nicht goutiert, während die im Rahmen ausgefallenen Zahlen in den Hintergrund treten. Strategisch mache die Akquisition zwar durchaus Sinn, sie erscheine jedoch teuer, hiess es. Clariant stürze sich nach jahrelangen Restrukturierungen etwas gar (vor)schnell wieder in ein Abenteuer.
Clariant Namen notieren am Mittwoch um 12.40 Uhr in einem stabilen Gesamtmarkt 13,2% tiefer bei 15,15 CHF.
ra/

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