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FRIEDRICHSHAFEN (awp international) - Daimler und Rolls-Royce sind nach dem anfangs zähen Ringen um den Grossdieselmotorenhersteller Tognum jetzt am Ziel. Die beiden Bieter halten knapp 60 Prozent der Tognum-Aktien, wie die Unternehmen am Montag gemeinsam mitteilten. Damit hat das Bieter-Duo, wie ursprünglich geplant, die Mehrheit bei Tognum errungen.
"Daimler und Rolls-Royce sind über dieses überzeugende Resultat sehr erfreut", hiess es in der Mitteilung. Tognum-Vorstandschef Volker Heuer sagte in einer Stellungnahme: "Mit der Annahme des Angebots durch unsere Aktionäre starten Tognum, Daimler und Rolls-Royce in eine vielversprechende gemeinsame Zukunft."
ZIEL IST DIE WELTWEITE MARKTFÜHRERSCHAFT
Tognum soll unter der neuen Leitung zum weltweiten Marktführer für Industriemotoren weiterentwickelt werden. Vor allem das Wachstum in den Schwellenländern soll durch die Vertriebskraft der drei Partner vorangetrieben werden. Die Bieter hatten zugesichert, der Tognum-Hauptsitz bleibe in Friedrichshafen und dort würden auch weiterhin Produktion sowie Forschung und Entwicklung angesiedelt. Die Arbeitsplätze der mehr als 9.000 Mitarbeiter seien nicht in Gefahr. Heuer hob hervor, durch den Zusammenschluss eröffneten sich den Beschäftigten "hervorragende Perspektiven zur beruflichen Weiterentwicklung".
Von den jetzt genau 59,87 gehaltenen Prozent des Tognum-Aktienkapitals stammen 58,35 Prozent von den Aktionären, die das Angebot von 26 Euro je Aktie annahmen. Die übrigen rund 1,52 Prozent wurden von den Bietern, die für die Übernahme ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet haben, über die Börse erworben. Daimler hat seinen bereits zuvor gehaltenen Anteil von gut 28 Prozent an Tognum in das Angebot eingebracht. Im Gegenzug steuert Rolls-Royce sein in Bergen gebündeltes Geschäft mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit zum Gemeinschaftsunternehmen Engine Holding bei.
HÖHERES ANGEBOT BRINGT ÜBERNAHMEERFOLG
Entscheidend für den Erfolg des Übernahmeangebots war letztlich, dass der Vorstand und Aufsichtsrat von Tognum den Widerstand aufgaben, nachdem das Angebot um 2 Euro je Anteilsschein erhöht wurde, und sie die im eigenen Besitz befindlichen Aktien einreichten. Die Unternehmensleitung empfahl auch den übrigen Aktionären, das nachgebesserte Angebot anzunehmen. Zunächst hatte sie die Offerte als zu niedrig abgelehnt. Seit die Übernahmepläne Anfang März bekannt wurden, notieren die Tognum-Papiere über dem ursprünglichen Angebotspreis von 24 Euro. Im Vergleich zum letzten "unbeeinflussten Kurs" der Tognum-Aktie beinhaltet das Angebot nach Angaben von Tognum einen Aufschlag von rund 41 Prozent.
Für Spätentschlossene gibt es nun die gesetzlich vorgeschriebene zusätzliche Annahmefrist bis zum 20. Juni. Die Bieter rechnen damit, dass ihnen in den nächsten 14 Tagen weitere Aktien angeboten werden. Das Überschreiten der 50-Prozent-Schwelle kommt nicht ganz überraschend: Schon am Wochenende hatte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber deutlich gemacht, er erwarte eine "deutliche Mehrheit".
Ursprünglich wollte der Autokonzern Daimler, der Tognum mit kleinen Dieselmotoren beliefert, die in Friedrichhafen für den Einsatz jenseits der Strasse umgewidmet werden, das Angebot zusammen mit dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce nur durchziehen, wenn sie mehr als 50 Prozent der Aktien angedient bekommen. Bei der Nachbesserung des Angebots wurde aber gleichzeitig die Annahmeschwelle auf 30 Prozent gesenkt. Diese konnte schon allein mit den Papieren der Tognum-Führungsebene überschritten werden. Gleichzeitig wurde Spekulanten die Grundlage entzogen, den Preis weiter in die Höhe zu treiben.
Tognum gehörte schon bis Ende 2005, damals unter dem Namen MTU Friedrichshafen, zu Daimler. Der frühere Konzernchef Jürgen Schrempp verkaufte den Spezialisten für Motoren etwa für Frachtschiffe, Yachten, Züge oder Panzer an den schwedischen Finanzinvestor EQT. Nach dem Börsengang 2007 stieg Daimler im darauffolgenden Jahr wieder bei Tognum ein./dct/fn

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