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DE/Creditreform: Krise treibt Firmenpleiten auf Rekordniveau

Dieser Inhalt wurde am 02. Dezember 2009 - 12:40 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Die Wirtschaftskrise könnte die Firmenpleiten in Deutschland 2010 auf ein Rekordniveau treiben. Aus Zahlungsnot werden im nächsten Jahr voraussichtlich bis zu 40.000 Unternehmen Insolvenz anmelden - das wären so viele wie nie zuvor, prognostizierte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch in Frankfurt. "Die Wirtschaftskrise fordert ihren Tribut", sagte Vorstandsmitglied Helmut Rödl. Bei vielen Firmen sei das Eigenkapital bedenklich geschrumpft, sie kämen schwieriger an Kredite und litten unter Zahlungsausfällen von Lieferanten. Beim letzten Höchststand im Krisenjahr 2003 hatten 39.470 Firmen pleite gemacht.
Im laufenden Jahr stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen bereits kräftig um 16 Prozent auf 34.300 Fälle. Wegen der vielen Pleiten von Grossunternehmen wie Arcandor oder Woolworth kletterten die Schäden aus Insolvenzen um zwei Drittel auf 48,6 Milliarden Euro. Mehr als eine halbe Million Arbeitnehmer verloren ihren Job - auch wenn eine Insolvenz nicht immer den Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet, sondern eine Sanierung häufig Stellen retten kann.
2009 JAHR DER GROSSINSOLVENZEN
"2009 ist das Jahr der Grossinsolvenzen", sagte Rödl. Aber auch Traditionsfirmen wie der Spielzeughersteller Märklin und der Klavierbauer Schimmel standen vor dem Aus. Das Gros der Firmenpleiten entfalle aber weiter auf Kleinstunternehmen.
Unter den Wirtschaftszweigen ist die Industrie am stärksten betroffen. "Die Rezession zog vielen Industriebetrieben den Boden unter den Füssen weg", sagte Rödl. Dort nahm die Insolvenzzahl um 40 Prozent auf 3.500 Firmen zu. Vor allem exportorientierte Betriebe und Autozulieferer (Karmann, Edscha) gaben auf. Entscheidend wird laut Creditreform 2010 die Entwicklung des Exports sein. Im Baugewerbe hätten dagegen die staatlichen Konjunkturhilfen viele Betriebe gerettet, so dass die Pleiten nur leicht (plus 2,6 Prozent) stiegen.
WESTEN STÄRKER GETROFFEN ALS OST
Die Krise habe die Firmen im Westen stärker getroffen als in Ostdeutschland. Im Westen stiegen die Firmenpleiten um 16,5 Prozent, im Osten nur um 13,8 Prozent. Grund dafür sei die grössere Bedeutung und Exportorientierung des verarbeitenden Gewerbes in den alten Bundesländern, das besonders gelitten hatte.
Als Folge der steigenden Arbeitslosigkeit werden laut Creditreform 2010 auch wieder mehr Verbraucher ihre Privatinsolvenz erklären. Bis zu 138.000 Privatleute werden laut Experten zum Insolvenzgericht gehen, um sich ihrer Schulden zu entledigen. Das wären deutlich mehr als 2009 mit 98.800 Verbraucherpleiten, als die Zahl stagnierte. Mehr als sechs Millionen Deutsche sind laut Creditreform überschuldet. Die Verbraucherinsolvenzen entwickeln sich erfahrungsgemäss parallel zu den Arbeitslosenzahlen./mt/DP/jha

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