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FRANKFURT (awp international) - Die IG Metall will eine bessere Bezahlung der Leiharbeit notfalls tarifpolitisch durchboxen. Unterschiedliche Standards zwischen Leiharbeitern und Stammbelegschaft - etwa bei Lohn, Arbeitszeit und Urlaubstagen - gehörten ein für alle Mal abgeschafft, sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall, Detlef Wetzel, am Dienstag in Frankfurt. Anfang 2012 starten die Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Laut Statistik gab es Anfang 2011 bundesweit gut 700.000 Leiharbeiter.
"Wenn hier nicht bald eine sinnhafte Lösung gefunden wird, dann werden wir dieses Thema Leiharbeit zu einem Generalthema in den Tarifrunden mit Gesamtmetall machen", sagte Wetzel. Bisher dürfen Unternehmen Mitarbeiter von Personaldienstleistern ausleihen und sie befristet Seite an Seite mit der Stammbelegschaft unter deren Tarifniveau arbeiten lassen - für Gewerkschafter klares Lohndumping.
Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) hält die Kritik für überzogen. "Zeitarbeit ersetzt nicht das kollektive Wissen der Stammbelegschaft", sagte BAP-Sprecher Michael Wehran am Dienstag auf Anfrage. Die schlechtere Bezahlung - Wehran nannte 25 Prozent weniger bei Niedrigqualifizierten - habe seine Gründe. Der Grossteil der vermittelten Leiharbeiter habe nun einmal nicht die Qualifikation der Stammbelegschaft, und 67 Prozent stammten direkt aus der Arbeitslosigkeit. Das Prinzip "gleiches Geld für gleiche Arbeit" gelte also nur bedingt. Bei Hochqualifizierten dagegen liege der Verdienstunterschied - wenn es ihn überhaupt gebe - nur bei 3 bis 5 Prozent.
Die von Personaldienstleistern versorgten Firmen betonen, dass sie die Leiharbeit brauchen, um flexibel auf geballte Order reagieren zu können. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführerin Gebriele Sons hatte der dpa kürzlich gesagt: "Zeitarbeiter ergänzen die Stammbelegschaften dort, wo Auftragsspitzen abzufedern sind. Sie ersetzen die Stammbelegschaft aber nicht". Die Zahl an Stammarbeitsplätzen in der Branche sei seit rund einem Jahr um gut 50.000 gewachsen und damit stärker als die Zeitarbeit. Somit sei der Vorwurf falsch, dass Leiharbeiter zunehmend die herkömmliche Belegschaft ersetzten.
Für Wetzel sind aber gerade die Arbeitgeber gezielter Treiber der boomenden Leiharbeit - sie forcierten die Nachfrage. "Wenn der Kunde nicht bereit ist, ordentliche Entgelte zu bezahlen, dann hat es auch ein Zeitarbeitsunternehmen schwer, entsprechende bessere Regelungen anzubieten. Und deswegen sehen wir nach wie vor auch Gesamtmetall ganz extrem in der Verantwortung. Auch Gesamtmetall ist Täter."
Für die IG Metall führt Leiharbeit in der Regel in die Sackgasse und schafft Arbeitnehmer zweiter Klasse. Nur ein Bruchteil - Wetzel sprach von maximal 11 Prozent - werde später fest übernommen, der allergrösste Teil springe bestenfalls von Job zu Job bei weniger Geld. Zu ersten Sondierungsgesprächen mit dem BAP sagte Wetzel der dpa, die IG Metall sei "bislang noch nicht positiv überrascht worden". Im September will die Gewerkschaft ihren Tarifkurs für 2012 festzurren.
BAP-Sprecher Wehran sagte, dass die Übernahme von Leiharbeitern kein Massstab sein dürfe, da Zeitarbeit nun einmal ein eigenständiger Arbeitszweig sei. Für beinahe 100 Prozent der Leiharbeiter würden bereits eigene, für die Branche ausgelegte Tarifregelungen greifen. Zu oft seien alte Zahlen aus der Krise im Umlauf. "Wir haben aktuell riesige Übernahmewellen bei gleichbleibend hohen Aufträgen für neue Zeitarbeit", sagte der Sprecher. Die Branche sei ein Sprungbrett. Den Stand der Gespräche mit den Gewerkschaften über mögliche tarifliche Verbesserungen kommentiere der BAP generell nicht, sagte Wehran./loh/DP/jkr

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