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Deutsche-Bank-Chef Ackermann steht zu Griechen und bremst Kritiker (2. AF)

Dieser Inhalt wurde am 27. Mai 2010 - 17:45 publiziert

(neu: Aktionäre, weitere Aussagen Ackermann)
FRANKFURT (awp international) - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat seinen Willen zur Rettung des Schuldensünders Griechenland bekräftigt und in der Debatte um schärfere Regeln zu Besonnenheit gemahnt. "Es ist uns ein echtes Anliegen, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen ... National wie international. Wo immer wir tätig sind", sagte Ackermann am Donnerstag bei der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in Frankfurt.
Spekulationen über seine baldige Ablösung erteilte der 62-Jährige eine Absage: Zwar bemühe er sich seit einigen Monaten mit Aufsichtsratschef Clemens Börsig um eine Nachfolgeplanung. Doch sein Vertrag laufe bis zur Hauptversammlung 2013, betonte Ackermann: "Ich bin immer der Meinung, Übergangszeiten müssen kurz sein."
Die Kritik an seinen jüngsten Zweifeln an der Zahlungsfähigkeit Athens wies Ackermann zurück. "Man darf sich keine Illusionen machen: Die Märkte wissen ganz genau, wo die Risiken liegen." Aber man müsse "auch den Druck aufrechterhalten". Diese Ehrlichkeit erwarteten gerade Kleinanleger. "Die grossen Anleger brauchen keine Talkshows, um sich eine Meinung zu bilden, die kleinen sehr wohl."
Ackermann hatte Mitte Mai in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" gesagt: "Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln." Das löste eine Welle der Empörung aus. Allerdings haben auch Ökonomen trotz Milliardenhilfe Zweifel, dass Griechenland aus der Krise kommt.
Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte am Donnerstag: "So richtig ich Ihre Aussagen zu Griechenland fand, vielleicht ist es in diesem Land doch manchmal etwas klüger, einfach mal nichts zu sagen."
Ackermann war auch massgeblich an der Zusage deutscher Banken und Versicherer beteiligt, weiterhin in Griechenland aktiv zu sein und sich freiwillig beim Milliarden-Rettungspaket zu engagieren. "Dass diese und andere Anstrengungen nicht immer und überall honoriert, ja manchmal von interessierten Kreisen sogar diskreditiert werden, darf uns nicht beirren", sagte Ackermann. Die Finanzinstitute hatten sich bereiterklärt, griechische Anleihen nicht abzustossen und Kreditlinien für den hoch verschuldeten Mittelmeerstaat und seine Banken nicht zu kappen. Dies war etwa von der SPD als "Nullnummer" kritisiert worden.
Zur Diskussion über strengere Regeln für die Finanzbranche sagte Ackermann: "Keine Frage: Wir müssen das Finanzsystem stabiler machen und Schwächen, die sich in der Krise gerade auch bei Banken gezeigt haben, konsequent beseitigen" - etwa zu wenig Eigenkapital und Liquidität, zu viel Risiko, zu wenig Transparenz, falsche Anreize.
Es gelte jedoch, in einem engen Dialog aller Betroffenen das richtige Mass zu finden. "Verbalattacken auf sogenannte Spekulanten und Polit- Rhetorik, die von einem 'Krieg' zwischen Märkten und Staat spricht, sind einem solchen Dialog nicht zuträglich und nicht zielführend."
Der Deutsche-Bank-Chef versicherte vor etwa 5.000 Aktionären, er nehme den "Ansehensverlust der Bankenbranche insgesamt" ernst. "Wir können in einer Parallelwelt nicht gedeihen." Aktionärsschützer Nieding warnte vor allzu riskanten Geschäften, die Deutsche Bank sei "in einem gefährlich hohen Masse und vielleicht mehr als vor der Krise abhängig vom Investmentbanking".
An seinem umstrittenen Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern hält der Deutsche-Bank-Chef ebenso fest wie an der Vorgabe, bis 2011 einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro zu erzielen. In der gegenwärtigen Situation habe die Kapitalstärke der Bank oberste Priorität. Das erste Quartal habe aber gezeigt, dass der Konzern gut aufgestellt sei. Im ersten Quartal steigerte der Konzern den Überschuss auf 1,8 (Vorjahresquartal: 1,2) Milliarden Euro. Das Krisenjahr 2009 hatte der deutsche Branchenprimus mit einem Überschuss von 5,0 Milliarden Euro abgeschlossen, vor Steuern standen 5,2 Milliarden Euro in den Büchern.
Die Aktionäre sollen in diesem Jahr mit 75 Cent an dem Gewinn beteiligt werden nach 50 Cent im Vorjahr. Auf die Forderung nach Zusagen über künftige Dividenden sagte Ackermann: Das aktuelle Umfeld lasse eine solche Aussage nicht zu. "Es wäre fahrlässig das zu tun." Er hoffe, jedoch, an frühere Zeiten anknüpfen zu können. Die Deutsche Bank fühle sich nach wie vor einer attraktiven Dividendenpolitik verpflichtet./ben/gr/stb

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