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Das früher Undenkbare erscheint mittlerweile möglich: Die US-Luftwaffe könnte ihre neuen Tankflugzeuge beim europäischen Hersteller EADS ordern. Das würde den Protest des Haus- und Hoflieferanten Boeing herausfordern.
WASHINGTON (awp international) - Lange haben die Airbus-Mutter EADS und ihr amerikanischer Rivale Boeing auf diesen Tag hingefiebert: Das Pentagon wird am späten Donnerstagabend bekanntgeben, wer den Zuschlag beim "Jahrhundert-Auftrag" für neue Tankflugzeuge bekommt. Es geht dabei um nichts weniger als die Lieferung von 179 Maschinen im Wert von 35 Milliarden Dollar. Mit Folgeaufträgen könnten daraus sogar 100 Milliarden Dollar werden.
"Angesichts der Häufigkeit, mit der Pentagon-Einkaufschef Ashton Carter in letzter Zeit über seine Vorstellung eines globalisierten Rüstungsmarkts gesprochen hat, ist der europäische Luftfahrt-Gigant EADS der Sieger", orakelte Rüstungsexperte Loren Thompson vom Lexington Institute. Das Pentagon hat für 23.10 Uhr deutscher Zeit zu einer Pressekonferenz geladen, an der auch der stellvertretende US-Verteidigungsminister William Lynn teilnehmen wird.
"EADS benimmt sich schon so, als hätten sie gewonnen", schrieb Experte Carter weiter, "was kein Wunder ist, seit sie wissen, dass ihr Flugzeug bei der Bewertung der Leistungsfähigkeit im Kriegsfall besser abgeschnitten hat." Der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS schickt einen bereits bei anderen Luftwaffen erprobten Tankflieger auf Basis des Passagierjets Airbus A330 ins Rennen, Boeing kontert mit einer Neuentwicklung auf Basis der kleineren und älteren Verkehrsmaschine 767.
EADS und Boeing streiten sich seit Jahren um diesen grössten Auftrag der Luftfahrtgeschichte. Mittlerweile läuft schon die dritte Ausschreibungsrunde, nachdem mal der eine und mal der andere gewonnen hatte, die Politik die Entscheidungen aber letztlich immer wieder kippte. Vor zwei Wochen hatten die Kontrahenten ihre endgültigen Angebote eingereicht.
Die demokratische Senatorin Patty Murray, eine glühende Unterstützerin von Boeing, kündigte bereits Widerstand für den Fall an, dass EADS gewinnt. "Ich kann nicht glauben, dass unser Land ein ausländisches Unternehmen bevorzugen würde", sagte sie ihrer Heimatzeitung "The Herald", die in Everett im US-Bundesstaat Washington erscheint, wo Boeing ein grosses Werk unterhält. "Ich würde es nicht hinnehmen."
Doch auch EADS hat starke Befürworter. Republikaner aus dem Süden stehen auf Seiten der Europäer. EADS will bei einem Zuschlag eigens ein Werk in Mobile im US-Bundesstaat Alabama bauen. Der Konzern verspricht der gesamten, wirtschaftlich eher schwachen Region dadurch 48.000 neue Arbeitsplätze bei sich selbst und Zulieferern. In dem Werk will EADS auch zivile Frachtflieger fertigen.
Insgesamt muss die Air Force 534 Tanker und Frachtmaschinen ersetzen, die noch Präsident Dwight D. Eisenhower kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs angeschafft hatte. Die KC-135, die nun ausgemustert werden soll, stammt von Boeing.
In den vergangenen Wochen hatten beide Kontrahenten mit Zeitungsanzeigen und Radiospots in Washington um die Gunst der Öffentlichkeit und der Politiker geworben. Rüstungsexperten schliessen mittlerweile auch nicht mehr aus, dass das Pentagon den "Jahrhundert-Auftrag" splittet, auch wenn dies die Kosten in die Höhe treiben würde. Zwei Modelle bedeuten mehr Wartungsaufwand und mehr Schulungen für die Piloten.
Allerdings hatte EADS dem Pentagon seine Maschinen durch einen Preisabschlag noch schmackhafter gemacht. Sollten die Europäer tatsächlich gewinnen, würde dies fast unweigerlich einen Protest von Boeing nach sich ziehen. "Boeing könnte die Bewertungsmethoden in Frage stellen", schrieb Rüstungsexperte Thompson im Blog seines Instituts. Das würde die Vergabe des "Jahrhundert-Auftrags" abermals hinauszögern./das/DP/alg

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