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MÜNCHEN (awp international) - Die EADS-Rüstungssparte Cassidian streicht wegen der Kürzungen in den europäischen Verteidigungshaushalten 600 Arbeitsplätze. "In der jetzigen Konstellation können wir in Europa nicht wachsen", sagte Cassidian-Chef Stefan Zoller der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Die neuen staatlichen Abnehmer wie Indien und Brasilien erwarteten, dass bei Aufträgen rund 50 Prozent der Wertschöpfung in ihrem Land stattfinde. Cassidian müsse deswegen viele Arbeiten in die Zielländer vergeben. Jetzt will das Unternehmen seine drei Geschäftssparten zusammenlegen und eine Führungsebene abschaffen.
Der Arbeitsplatzabbau soll die Verwaltung und unterstützende Abteilungen treffen. Dort will Zoller 15 Prozent der Stellen streichen, allerdings im Gegenzug 5 Prozent in den Zukunftsmärkten schaffen. "In welchen Ländern Stellen abgebaut werden, ist noch unklar", sagte eine Cassidian-Sprecherin am Donnerstag. Die Kürzungen fänden aber "mitnichten hauptsächlich in Deutschland" statt.
Der Hauptsitz von Cassidian befindet sich in Unterschleissheim bei München, weltweit beschäftigt das Unternehmen 31.000 Mitarbeiter, davon 6.000 mit verwaltenden und unterstützenden Aufgaben. Das Umbauprogramm soll ab Mitte 2011 umgesetzt werden und binnen zwei bis drei Jahren Einsparungen von 400 Millionen Euro bringen. Neuer Vorstand für das operative Geschäft wird Bernhard Gerwert. Er war bislang Leiter von Cassidian Air Systems in Manching, wo unter anderem Eurofighter-Flugzeuge montiert werden.
Die Rüstungssparte will zunehmend jenseits von Kampfflugzeugen und Waffensystemen Geschäfte machen. Wegen der gekürzten Verteidigungshaushalte in den EADS-Heimatländern werde im Jahr 2011 der Auftragseingang aus Europa erstmals geringer sein als der dort erzielte Umsatz, sagt Zoller. Dennoch wolle Cassidian den Umsatz in den nächsten zehn Jahren von knapp sechs auf zwölf Milliarden Euro verdoppeln. 2010 hat die Firma den operativen Gewinn leicht auf 457 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz stieg um ein Zehntel.
Klassische Militäraufträge verlören allmählich an Bedeutung, sagte der Cassidian-Chef. Zwar belege der Krieg in Libyen, "dass Kampfflugzeuge wie der Eurofighter weiterhin nötig sind". Es gebe in diesem Geschäft aber kaum noch Wachstumschancen: "Es gibt jetzt noch einige Exportkampagnen für Kampfflugzeuge, aber ich werde eine neue Generation davon in meiner beruflichen Laufbahn nicht mehr erleben."
Wichtig werde das Geschäft mit unbenannten Flugkörpern (Drohnen). So wird das havarierte Kernkaftwerk Fukushima in Japan von Drohnen aus der Luft überwacht. Die Entwicklung der Cassidian-Drohne "Talarion" ist aber wegen der Kürzungen in den Verteidigungshaushalten noch nicht gesichert. Zoller erwartet, dass das Geschäft mit Sicherheitsausrüstung für Polizei oder Grenzschutz an Bedeutung gewinnt. Bald könne rund die Hälfte des Umsatzes aus diesem Bereich stammen./stw/stb/tw

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