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DÜSSELDORF (awp international) - Die Stahlbranche sieht die sich abzeichnende Erholung durch die wieder rasant steigenden Rohstoffpreise in Gefahr. Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, warnte vor Spekulationen. "Die Preise für Eisenerz und Kokskohle haben sich wieder weit von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entfernt", sagte er am Mittwoch bei der "Handelsblatt" Jahrestagung "Stahlmarkt 2010". Für die Stahlunternehmen drohten zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe. "Diese Rohstoffkostensteigerungen können von der Stahlindustrie nicht getragen werden."
Schon im Krisenjahr 2009 hätten die langfristigen Kontraktpreise ein Drittel über dem Niveau von 2007 gelegen, erklärte Kerkhoff. Die schwache Konjunktur hätte dagegen seiner Ansicht nach Preisreduzierungen dringend erfordert. "Stattdessen sehen wir eine starke Bewegung nach oben." Nach Einschätzung des Vorstandschefs des Stahlhändlers Klöckner & Co (KlöCo), Gisbert Rühl, sind die Eisenerzpreise in den vergangenen Monaten um bis zu 80 Prozent gestiegen, Kokskohle koste rund 40 Prozent mehr als auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise. Das liegt auch daran, dass China einen Grossteil seines Rohstoffbedarfs auf den kurzfristigen Spotmärkten deckt und so die Preise weiter antreibt.
Die grossen Bergbaukonzerne versuchten daher nun, ihre Strategie anzupassen, sagte Stahl-Verbandschef Kerkhoff. Sie wollten zunehmend das seit Jahrzehnten etablierte Benchmark-System mit festen Preisen über einen längeren Zeitraum verlassen, weil sie sich auf dem Sportmarkt höhere Renditen versprechen. "Eine gesicherte Kalkulation wäre wegen der starken Volatilitäten für Stahlunternehmen kaum noch möglich", sagte Kerkhoff. Nach Ansicht des KlöCo-Chefs Rühl werden vor diesem Hintergrund die Stahlpreise im zweiten Quartal deutlich ansteigen.
Kern des Problems ist nach Ansicht der Stahlindustrie die grosse Macht der Bergbaukonzerne. Die britisch-australischen Erzgiganten Rio Tinto und BHP Billiton sowie die brasilianische Vale haben einen Weltmarktanteil von 70 Prozent. Vor diesem Hintergrund läuft die Stahlbranche Sturm gegen die geplante Zusammenlegung der Erzaktivitäten von Rio Tinto und BHP Billiton in Australien. Die Stahlhersteller befürchten, dass aus dem "Oligopol" ein "Duopol" werden könnte. Sie fordern die Kartellbehörden auf, den Zusammenschluss zu untersagen. Weitere Gefahr droht laut Kerkhoff dadurch, dass Staaten wie die Ukraine und Indien den Export begrenzen und China sich umgekehrt eigene Importquellen im Ausland exklusiv zu sichern versuche.
Trotzdem sieht der Stahlverband nach den verheerenden Einbrüchen in der Krise das Schlimmste für die Branche überstanden. Auch dank staatlicher Konjunkturprogramme habe die Branche schneller aus dem Tal herausgefunden, als viele das erwartet hätten, sagte Kerkhoff. Zudem hätten die Stahlhersteller rasch und flexibel auf die Krise reagiert und ihre Produktion gedrosselt. Im Januar war die globale Stahlproduktion um ein Viertel gestiegen. In Deutschland wuchs sie im Vergleich zum Januar vergangenen Jahres um 27,7 Prozent. Der Stahlmarkt war mit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise im Spätsommer 2008 praktisch über Nacht eingebrochen. Diese Entwicklung hatte sich bis Ende des ersten Halbjahres 2009 fortgesetzt. Seitdem sieht sich die Branche auf Erholungskurs.
Ein selbsttragender Aufschwung sei aber noch nicht gesichert. Den sieht der Verband erst 2011. In diesem Jahr rechnet die Organisation aufgrund leerer Läger mit einer Produktionssteigerung von 10 bis 15 Prozent auf 36 bis 38 Millionen Tonnen in Deutschland./nl/stb/ck

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