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HAMBURG (awp international) - Industriekonzerne weltweit müssen nach Einschätzung der Allianz erstmals seit Jahren wieder deutlich mehr für Versicherungsschutz gegen Naturkatastrophen zahlen. "Dafür sorgen das Erdbeben und der Tsunami in Japan", sagte Axel Theis, Chef des Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), der "Financial Times Deutschland" (Freitag). Noch sei aber offen, ob die Katastrophe zu einer Preiswende in der gesamten Industrieversicherung einschliesslich der Bereiche Feuer und Haftpflicht führe.
"Der Versicherungsmarkt für Naturkatastrophen ist global, und die Ereignisse in Japan haben weltweite Auswirkungen", sagte Theis. Unternehmen sichern sich gegen Schäden an Fabriken und Maschinen ab, vor allem aber gegen die Verluste aus Betriebsunterbrechungen, die eine Naturkatastrophe mit sich bringt. "Wir rechnen mit beträchtlichen Schäden in Japan und in anderen Ländern, in denen Unternehmen nicht produzieren können", sagte Theis. Bisher gebe es aber erst wenige konkrete Schadensmeldungen.
Theis zufolge kann die Allianz die Schadenshöhe noch nicht beziffern. Für die AGCS betrage die Belastung maximal 65 Millionen Euro. Das Unternehmen kommt in Japan auf Prämieneinnahmen von rund 70 Millionen Euro im Jahr. "Davon stammt rund ein Viertel von deutschen Konzernen, die in Japan tätig sind", sagte Theis. Daneben versichere seine Gesellschaft Niederlassungen vieler Kunden aus anderen europäischen Ländern und den USA sowie japanische Industriebetriebe.
Theis sagte, das Erdbeben könne zu einem Wendepunkt im globalen Markt für Industrierisiken werden, auf dem seit Jahren die Preise fallen. "Solche Ereignisse waren auch der Terrorüberfall vom 11. September 2001 und der Hurrikan Katrina 2005." Nach der Katastrophe gebe es zwei Möglichkeiten: "Entweder wollen einige Versicherer schnell viel Umsatz einsammeln, weil sie Geld zur Schadenszahlung brauchen." Das wäre sehr ungesund, weil dann das Prämienniveau eher sinken würde. "Oder der Markt dreht sich in die andere Richtung." Bereits vor dem Erdbeben sei es Industrie und Maklern nicht mehr so einfach gelungen, Preissenkungen durchzusetzen.
Strahlenschäden oder Betriebsunterbrechungen, die direkt auf das havarierte Atomkraftwerk Fukushima zurückgehen, sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. "Wenn eine deutsche Firma Teile nicht bekommt und die Produktion steht, weil der Zulieferer in Japan durch das Erdbeben ausfällt, ist das prinzipiell versichert", sagte Theis. "Das gilt aber nicht, wenn der Lieferausfall durch Kernkraft verursacht wurde."/stw/she/tw

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