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MÜNCHEN/HAMBURG/BOSTON (awp international) - Auf die Versicherungsbranche kommen nach dem Erdbeben in Japan voraussichtlich Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe zu. Alleine an Gebäuden dürfte das Beben versicherte Schäden von bis zu 35 Milliarden US-Dollar angerichtet haben, wie die Experten des Risikoanalysen spezialisierten Versicherungsdienstleisters AIR Worldwide am Wochenende errechnet haben. Die Folgen des Tsunami, Schäden an Strassen und Produktionsausfälle in der Industrie kommen noch hinzu. Die Unfälle in den Atomkraftwerken müssen die Versicherer hingegen kaum fürchten. Signifikante Auswirkungen auf die Branche würden nicht erwartet, teilte der weltgrösste Rückversicherer Munich Re am Montag in München mit.
"Bei der Versicherung von Schäden an den Reaktoren und Gebäuden sind die Folgen von Erdbeben und Tsunamis ausgeschlossen", erläuterte Dirk Harbrücker, Geschäftsführer der Deutschen Kernreaktor Versicherungsgemeinschaft (DKVG), der "Financial Times Deutschland" (FTD/Montagausgabe). Der Zeitung zufolge hat der japanische Kraftwerksbetreiber Tepco seit September zudem keine Sachversicherung für seine Kraftwerke mehr gekauft, sondern zahlt Schäden an seinen Werken selbst. Dabei beruft sich die Zeitung auf Angaben aus Rückversicherungskreisen. Den grössten Teil des Schadens dürfte dem Bericht zufolge auf die Betroffenen und die japanische Regierung entfallen.
ATOMFOLGEN NICHT VERSICHERBAR
Die Folgen von Atomunfällen gelten in der Branche als nicht versicherbar. Die Schäden sind kaum zu kalkulieren, die Prämien für eine solche Versicherung würden unermessliche Höhen erreichen. In Deutschland versichern private Anbieter einschliesslich der DKVG Sachschäden an Kernkraftwerken bis zu 1,1 Milliarden Euro, schreibt die "FTD". Kommt es zu einem Zwischenfall, bei dem Dritte geschädigt werden, greift die Haftpflichtversicherung - allerdings zahlt sie lediglich bis zu 256 Millionen Euro. Für den restlichen Betrag müssen die Kraftwerksbetreiber geradestehen, die sich bei der Haftung gegenseitig unter die Arme greifen.
Der deutsche Atompool DKVG deckt als Rückversicherer auch Risiken in Japan. In der Organisation haben sich 35 deutsche Versicherer und Rückversicherer zusammengeschlossen. Neben Schutz für Atomkraftwerke im eigenen Land übernimmt die DKGV Anteile an Atomrisiken im Ausland. "Wir sind auch in Japan aktiv, aber wir haben aus den aktuellen Ereignissen keinen Schaden", sagte Harbrücker.
ZU FRÜH FÜR KONKRETE ZAHLEN
Die allgemeinen Schäden durch Erdbeben und Tsunami kann die Munich Re nach eigenen Angaben noch nicht einschätzen. Da sich die Lage durch Nachbeben immer noch ändert, ist es laut Munich Re "noch viel zu früh", um die volkswirtschaftlichen und die versicherten Schäden abschätzen zu können. Es stehe jedoch fest, dass ausländische Versicherungsunternehmen nur "einen sehr kleinen Teil" der japanischen Erdbeben-Risiken übernommen hätten.
Der Versicherungsdienstleister AIR Worldwide, der Daten und Berechnungen für die Branche liefert, erwartet alleine versicherte Schäden an Gebäuden in Höhe von 15 bis 35 Milliarden Dollar. Die Unsicherheit ist den Angaben zufolge noch gross, weil wichtige Daten zur Ausbreitung der Erdbebenwellen noch nicht bekannt sind.
GROB VERSCHÄTZT
Nach den Erdbeben in Chile und Neuseeland 2010 hatte sich die Munich Re wie auch andere Versicherer im vergangenen Jahr zunächst deutlich verkalkuliert. Letztlich fielen die Schäden in Chile für die Münchner mit rund einer Milliarde US-Dollar fast doppelt so hoch aus wie anfangs genannt. Für das Beben in Neuseeland musste der Vorstand die Schadenschätzung mehrere Monate später um die Hälfte nach oben korrigieren./stw/stb/tw

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